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Niedersachsen Biotechnologie hängt am Tropf von Hoffenheim-Mäzen Hopp
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Biotechnologie hängt am Tropf von Hoffenheim-Mäzen Hopp
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07:44 07.10.2010
Auf der Messe Biotechnica suchen Aussteller auch Kontakte zu Investoren.
Auf der Messe Biotechnica suchen Aussteller auch Kontakte zu Investoren. Quelle: Ditfurth
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Hannover. Anders als andere Branchen hat die Biotechnologie die Wirtschaftskrise vergleichsweise glimpflich überstanden – zumindest wenn man die Zahl der Köpfe zählt. Während Autohersteller oder Maschinenbau einen großen Teil ihrer Beschäftigten nur mittels Kurzarbeit an Bord halten konnten, kletterte die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr erstmals über die Marke von 31 000, wie aus der Statistik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hervorgeht, ein Plus von 5 Prozent. Der Umsatz blieb mit 2 Milliarden Euro konstant, die Erlöse verteilten sich aber auf 531 statt 510 Firmen wie im Jahr 2008.

Getrübt wird das positive Bild allerdings durch den Blick auf die Finanzierung. Die Unternehmen müssen in der Regel eine lange Phase überstehen, in der hohe Kosten für Forschung und Entwicklung anfallen, denen so gut wie keine Einnahmen gegenüberstehen. So ein „Geschäftsmodell“ war bei Banken immer schon wenig beliebt, in Zeiten der Finanzkrise konnten Biotechfirmen erst recht nicht mit Krediten rechnen. Folglich sind sie auf Wagniskapital angewiesen – auf Geldgeber also, die ein hohes Risiko eingehen, weil sie im Erfolgsfall mit einer besonders attraktiven Rendite rechnen.

Doch diese Geldquelle ist zuletzt ausgetrocknet: Im vergangenen Jahr standen den deutschen Biotechunternehmen nur 140 Millionen Euro zur Verfügung, ein Minus von rund 30 Prozent. Hoffnung auf eine Entspannung der Lage zeichnet sich in den USA ab: Dort sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres knapp 3 Milliarden Dollar von Venture-Capital-Gesellschaften in Biotechfirmen geflossen, noch einmal 6 Milliarden Dollar kamen über Partnerschaften mit Pharmakonzernen in die Kassen. Im zweiten Quartal erhöhten sich die Kapitalzuflüsse nach Branchenangaben auf rund 14 Milliarden Dollar.

In Deutschland hängt die Biotechnologie noch immer weitgehend am Tropf eines Mannes: Dietmar Hopp. Der SAP-Gründer investiert sein Geld nicht nur in die Bundesligakicker der TSG 1899 Auf der Messe Biotechnica suchen Aussteller auch Kontakte zu Investoren.– er ist mit einem Volumen von mehr als 300 Millionen Euro auch der mit Abstand größte Einzelinvestor in der Biotechszene. Dem Arzneimittelentwickler Agennix etwa fließen jetzt – dank Hopp – im Zuge einer Kapitalerhöhung 76 Millionen Euro zu.

Jens Heitmann