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Niedersachsen Bode will Hilfe für Schlecker halbieren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bode will Hilfe für Schlecker halbieren
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20:51 26.03.2012
Von Lars Ruzic
Zurückhaltend: Jörg Bode. Quelle: dpa
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Hannover

Angesichts eines pessimistischen Gutachtens zur Zukunft der insolventen Drogeriekette und noch bestehender Guthaben des Konzerns dürfte "ein Darlehensvolumen von 35 Millionen Euro ausreichen, um die Liquidität herzustellen, die zur Finanzierung der Transfergesellschaften erforderlich ist", schreibt der FDP-Politiker in einem Brief an seine Länderkollegen, der dieser Zeitung vorliegt.

Bisher fordert der vorläufige Insolvenzverwalter, Arndt Geiwitz, einen von der staatseigenen KfW gewährten Kredit in Höhe von 70 Millionen Euro, mit dem die Auffanggesellschaften für mehr als 11.000 von der Pleite betroffene Mitarbeiterinnen finanziert werden sollten. Die Sicherheiten in gleicher Höhe sollen von den Ländern kommen, falls Schlecker den Kredit nicht zurückzahlen kann. In mehreren Landesregierungen regt sich dagegen Widerstand. Niedersachsen steht dabei in vorderster Front. Eine Halbierung des Darlehens ist nun offenbar Bodes Kompromissangebot. "Bei einem solch reduzierten Volumen wird es im Ergebnis leichter fallen, einer Verbürgung zuzustimmen", schreibt er. Die endgültige Entscheidung über die Gründung der Transfergesellschaften fällt an diesem Mittwoch. Dann entscheidet Baden-Württemberg, ob es mit einer Bürgschaft über die volle Höhe in Vorleistung geht.

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Hintergrund des neuen Vorstoßes aus Niedersachsen ist ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) zu den Überlebenschancen des einstigen Marktführers, das am Montag bekannt wurde. Darin rechnen die PwC-Fachleute kaum damit, dass sich in den kommenden sechs Monaten ein Investor für Schlecker finden lässt. Auch einen Weiterbetrieb in Eigenregie halten die Wirtschaftsprüfer angesichts vieler unrentabler Läden für schwierig. Eine Rückzahlung des Darlehens, für das die Länder einstehen sollen, sei nur durch Erlöse aus dem Verkauf ausländischer Töchter, nicht aber aus dem laufenden Geschäft möglich, resümiert Bode.

Widerspruch kam vom Insolvenzverwalter, der weiter an eine Zukunft für Schlecker glaubt. "Die Investorensuche läuft absolut planmäßig. Erste weiterführende Angebote sind bereits eingegangen", sagte sein Sprecher. "Wir halten auch die Sanierung und Weiterführung für anspruchsvoll, aber machbar." Am Sonnabend hatte Schlecker 2200 Filialen geschlossen - gut jede zehnte davon in Niedersachsen. Mit dem um 40 Prozent ausgedünnten Filialnetz will das Unternehmen nun die Rettung schaffen. Doch PwC hält die Pläne in zentralen Punkten für zu optimistisch. So seien vor allem die Personalkosten zu gering angesetzt, während die erwarteten Erträge "mit Unsicherheiten belastet bzw. nur sehr begrenzt belastbar" seien.(mit: dpa)

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