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Niedersachsen Boeing-Flugverbot droht Tui das Sommergeschäft zu verhageln
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Boeing-Flugverbot droht Tui das Sommergeschäft zu verhageln
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21:08 15.05.2019
Eine Boeing 737 Max 8 des Reisekonzerns Tui. Quelle: dpa
Hannover

Der Preisverfall bei Reisen nach Spanien und das Startverbot für Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max verhageln der Tui das Geschäft. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2018/2019 hat der Konzern operativ einen Verlust von rund 300 Millionen Euro erlitten – eine Verschlechterung um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das sei aber keine böse Überraschung mehr, sagte Vorstandschef Friedrich Joussen am Mittwoch: „Diese Zahl deckt sich mit unseren Erwartungen.“ Unter dem Strich erhöhte sich der Verlust von knapp 211 auf rund 287 Millionen Euro, der Umsatz stieg um knapp 2 Prozent auf knapp 6,7 Milliarden Euro.

Die Tui hatte zuvor ihre Prognosen bereits zweimal nach unten korrigiert: Falls die 15 Maschinen vom Typ 737 Max bis zum Ende der Sommersaison nicht mehr starten können, soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita)im Gesamtjahr um 300 Millionen Euro geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt – das wäre dann rund eine Milliarde Euro. Ob es dazu komme, werde sich Ende Mai entscheiden, sagte Joussen. Dann müsste die Tui die Verträge für die gecharterten Ersatzmaschinen bis zum Ende der Sommersaison im September verlängern.

Tui will von der Konsolidierung profitieren

Zu schaffen macht dem Konzern zudem eine Verlagerung der Nachfrage: Die Kunden zieht es im Sommerurlaub eher ins östliche Mittelmeer – folglich bleiben in Spanien Betten leer. Als Reaktion darauf habe die Tui ihre Kapazitäten auf der Iberischen Halbinsel verringert, sagte Joussen. Vor größeren Anpassungen schreckt der Konzern jedoch zurück: Man wolle die eigenen Marktanteile verteidigen und dürfe auch die Start- und Landerechte nicht gefährden, hieß es.

Nach Einschätzung der Tui steht die Reisebranche vor einer Konsolidierung – etliche Veranstalter und Fluggesellschaften stehen extrem unter Druck, einige sind bereits in die Pleite geschlittert. In Hannover fühle man sich in der Rolle eines „aktiven Beobachters“ wohl, sagte Joussen. Soll heißen: Die Tui sieht sich nicht als Käufer. Der Konzern werde aus den aktuellen Markt-Turbulenzen aber stärker, effizienter und profitabler hervorgehen: „Wir werden zu den Gewinnern, nicht zu den Verlierern gehören.“

Die Hoffnungen ruhen auf der strategischen Ausrichtung – und weniger auf dem weiteren Geschäftsverlauf dieses Jahres. Die Buchungen lägen aktuell 3 Prozent niedriger als im Vorjahr, hieß es. Bei den Preisen gebe es zwar einen Anstieg um ein Prozent, dennoch fielen die Gewinnspannen geringer aus als 2018. „Wir haben aber einen klaren Kompass“, sagte Joussen. Die Tui werde das Geschäft mit eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen ausbauen und darüber hinaus den Vertrieb in großen Märkten wie China, Indien und Brasilien ankurbeln. „Die wachsenden Mittelschichten in vielen Regionen der Erde beginnen erst jetzt zu reisen“, sagte Joussen.

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