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Niedersachsen Chance auf Fusion von VW und Porsche schrumpft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Chance auf Fusion von VW und Porsche schrumpft
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22:20 31.10.2010
Von Stefan Winter
VW-Chef Martin Winterkorn
VW-Chef Martin Winterkorn Quelle: dpa
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VW-Chef Martin Winterkorn sieht das Risiko für eine Porsche-Verschmelzung bei 30 Prozent: „Die Chancen stehen 70 zu 30, dass es dazu kommt“, sagte er der „Automobilwoche“ auf die Frage nach einer Verschmelzung beider Unternehmen. Es werde dennoch weiter mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet.

Das Interesse dürfte allerdings auf beiden Seiten nachgelassen haben. Bei der Porsche SE liegen erhebliche Risiken. Die Dachgesellschaft des Sportwagenbauers schlägt sich in den USA mit Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe herum. Investoren fühlen sich dort durch Fehlinformationen den früheren Porsche-Führung geschädigt. In Deutschland ermittelt zum gleichen Thema die Staatsanwaltschaft. Außerdem sind die steuerlichen Folgen einer Verschmelzung unklar. Wegen einer Rechtsunsicherheit drohen nach VW-Angaben riesige Steuerlasten. „Unsere Juristen sind mit intensiven Prüfungen befasst“, sagte Winterkorn.

Gleichzeitig wird über die Motive der Familien Porsche und Piëch spekuliert. Zur Zeit kontrollieren sie die Porsche SE, der wiederum die Mehrheit der VW-Stimmrechte gehören. Würden sie ihr Unternehmen im Zuge der Verschmelzung bei VW einbringen, wäre es damit vorbei: Die Familien blieben zwar größter VW-Aktionär, hätten aber wohl nur noch 30 bis 40 Prozent der Stimmen. An einer Fusion dürften sie also wenig Interesse haben.

Um VW gegen die Porsche-Risiken abzusichern, war allerdings von vornherein eine Alternative vereinbart worden. VW hat bereits 49,9 Prozent der Porsche AG gekauft, die das operative Autogeschäft betreibt. Den Rest können die Wolfsburger unabhängig von einer Fusion mit der Porsche SE übernehmen, die Sportwagenmarke wird faktisch schon wie eine VW-Tochter geführt.

Es bleibe bei dem Ziel, einen „integrierten Autokonzern unter Führung von VW“ zu schaffen, sagte Winterkorn. Wenn dies über eine Fusion mit der Porsche SE geschehen soll, wird die Zeit allerdings knapp. Die dafür geschlossene Grundlagenvereinbarung sieht eine Fusion bis Ende 2011 vor. Ob die Schadensersatzklagen und die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bis dahin erledigt sind, ist völlig offen. Werde der Termin nicht eingehalten, müsse die Verschmelzung neu verhandelt werden, erklärte Winterkorn.

Der 63-Jährige wird in jedem Fall neben Ferdinand Piëch die Schlüsselfigur in diesem Geschäft bleiben. Sein Ende 2011 auslaufender Vertrag soll in den nächsten Wochen verlängert werden. Gleichzeitig ist Winterkorn Vorstandsvorsitzender der Porsche SE .