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Niedersachsen Vom Volkskongress ins Gefängnis
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19:27 16.03.2015
Von Lars Ruzic
Noch im vergangenen Sommer empfing FAW-Chef Xu Jianyi (links) Bundeskanzlerin Angela Merkel und VW-Chef Martin Winterkorn. Nun sitzt er hinter Gittern.
Noch im vergangenen Sommer empfing FAW-Chef Xu Jianyi (links) Bundeskanzlerin Angela Merkel und VW-Chef Martin Winterkorn. Nun sitzt er hinter Gittern. Quelle: Kay Nietfeld
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Hannover

Für chinesische Spitzenpolitiker ist es schon Tradition. Wenn sie mal wieder eine hannoversche Großmesse besuchen, steht hinterher immer noch ein Termin in Wolfsburg an - bei Volkswagen, einem der wichtigsten Geschäftspartner der staatseigenen Betriebe. Auch Chinas Vizepremier Ma Kai machte am Montag noch Halt im VW-Werk und ließ sich von Konzernchef Martin Winterkorn über die E-Mobilitätsstrategie des Autobauers auf seinem wichtigsten Absatzmarkt informieren.

Ob es allein bei Freundlichkeiten blieb, ist nicht überliefert. Anlass für Klartext gäbe es derzeit zu genüge. Denn es knirscht spürbar im Gebälk der langjährigen Partner. Ausgerechnet am Tag des Kai-Besuchs sickerte durch, dass Chinas oberste Anti-Korruptionsermittler den Chef des Volkswagen-Partners FAW festgenommen haben. Xu Jianyi stehe unter Verdacht, „schwerwiegend gegen die Parteidisziplin und Gesetze“ verstoßen zu haben, teilte die parteiinterne Disziplinarkommission mit.

FAW steht für „First Automotive Works“, ist also quasi der erste Autobauer des Landes - noch unter Mao gegründet. Mit Volkswagen arbeitet der Konzern schon fast 25 Jahre zusammen. Er hält bis heute mit 60 Prozent die Mehrheit der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen. Der 62 Jahre alte Xu ist ein FAW-Eigengewächs und steht seit fünf Jahren an der Spitze des Konzerns. Er gehört dem Nationalen Volkskongress an, von dessen Sitzung weg ihn die Korruptionsermittler verhaftet haben sollen.

Die Gründe blieben zunächst im Dunkeln. Allerdings gehen die chinesischen Behörden schon seit vergangenem Sommer gegen FAW vor. Mehrere Mitglieder des Top-Managements wurden bereits verhaftet, einschließlich des Vize-Präsidenten von FAW-VW und mehrerer chinesischer Audi-Führungskräfte. FAW sah sich Anfang des Jahres bereits verpflichtet, mehrere hauseigene Projekte zu „berichtigen“, wie es hieß - darunter der Bau von 131 Villen, für den Regierungsgeld zweckentfremdet worden sein soll. Xu ist nun allerdings der ranghöchste Automanager hinter Gittern.

Chinas Präsident Xi Jinping hat vor zwei Jahren der Korruption verstärkt den Kampf erklärt. Dass dabei FAW besonders im Fokus steht, lässt viele ausländische Beobachter über die Gründe rätseln. Genauso wie die Tatsache, dass im chinesischen Staatsfernsehen derzeit vor allem die ausländischen Automarken immer wieder Ziel von teils überzogener Kritik an der Qualität von Fahrzeugen sind. Vizepremier Ma hätte dafür gestern bestimmt gute Gründe nennen können - so man denn über das Thema gesprochen hat.

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