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Niedersachsen Chemiebranche will mehr klimaneutrale Produktion – mit Wasserstoff
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Chemiebranche will mehr klimaneutrale Produktion – mit Wasserstoff
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18:03 05.10.2019
Mit günstigem Windstrom sollen die Kosten für die Erzeugung von Wasserstoff sinken. Quelle: Foto: Ingo Wagner/dpa
Hannover

Die chemische Industrie will den Norden zum Vorreiter für eine klimaneutrale Produktion in Deutschland machen. Voraussetzung dafür sei ein massiver Ausbau der Windenergie, um die Produktion von „grünem“ Wasserstoff zu ermöglichen, sagte Jochen Wilkens, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Chemie-Nord. Die Branche benötigt Wasserstoff etwa zur Herstellung von Ammoniak, Salzsäure, Methanol, Anilin und von anderen Grundstoffen. Bisher gewinnt sie ihn aus Erdgas – bei diesem Prozess fallen jedoch Abgase an.

Mithilfe der Wasserelektrolyse lässt sich dies vermeiden. Dabei wird Wasser unter Einsatz von Strom in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Für den Einsatz dieser Technik im industriellen Maßstab werde jedoch sehr viel Energie benötigt, erklärte Wilkens. Dies rechne sich erst, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen komme und komplett von Steuern und Abgaben befreit werde. Solche Privilegien könnten jedoch in Brüssel auf Widerstand stoßen, weil sie als Wettbewerbsverzerrung angesehen werden. Deshalb müsse die Europäische Kommission dafür dringend die Voraussetzungen schaffen – durch eine Reform des Beihilferechts.

Windstrom macht Produktion günstiger

Nach Einschätzung des Verbandes drängt die Zeit. „Der Klimawandel geht direkt an die Wurzeln der Chemie“, sagte Wilkens. „Für uns stellt die Umstellung auf eine schadstofffreie Produktion eine größere Herausforderung da als die Digitalisierung.“ Die Branche hatte bereits vor sechs Jahren in einer Studie dafür plädiert, im Zuge der Energiewende stärker auf Wasserstoff zu setzen. Inzwischen ist Wasserstoff allgemein in Mode: „Power to Gas“, Power to Heat“ und „Power to Fuel“ lauten die Schlagworte für seine Wandlungsfähigkeit. Neben der Chemiebranche dränge sich der Einsatz von Wasserstoff auch für die Wärmeversorgung und im Verkehr auf – sobald Ökostrom in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehe, sagte Wilkens. Wasserstoff wird etwa auch bei der Brennstoffzellentechnologie zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt.

Im Norden sei besonders die Windkraft für die Erzeugung des bei der Elektrolyse eingesetzten Ökostroms geeignet, betonte der Verband. An der Küste lasse sich die Leistung der Windparks auf dem Meer vergleichsweise günstig anzapfen, weil keine langen Leitungen über Land nötig seien.

„Wir brauchen schnell politische Klarheit“

Die chemische Industrie erzeugt ihren Wasserstoff bislang aus Erdgas, indem dieses in Kohlenmonoxid und Wasserstoff zerlegt wird. Durch die jahrzehntelange Anwendung dieses Verfahrens lässt sich vergleichsweise kostengünstig Wasserstoff herstellen. Demgegenüber ist der Elektrolysewasserstoff noch vier- bis fünfmal so teuer, dafür aber klimaneutral. Die höheren Kosten lägen fast ausschließlich daran, dass der Strompreis durch diverse Steuern und Abgaben in die Höhe getrieben werde, sagte Wilkens.

Für die Region Unterelbe haben die Unternehmensberatung EY und der Chemieverband Chemcoast bereits vor Jahren einen „Fahrplan zur Realisierung einer Windwasserstoffwirtschaft“ erstellt, der auch den Verkehr umfasst. Demnach müssten allein im Großraum Hamburg Elektrolyseanlagen mit einer Leistung von knapp 400 Megawatt erreichtet werden, um die Wasserstoffnachfrage zu decken. „Wir können so etwas für den ganzen Norden schaffen“, sagte Wilkens. „Das wird aber Geld kosten – deshalb brauchen wir schnell politische Klarheit.“

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