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Niedersachsen Schaeffler-Thumann hat die Krise überstanden
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19:58 16.08.2016
Von Lars Ruzic
Krise war gestern:  Schaeffler-Thumann, Mitglied im Conti-Aufsichtsrat, wird 75. Jahre alt. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Inzwischen sind es wieder sehr angenehme Termine, die Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann nach Hannover führen. Wie der Besuch von US-Präsident Barack Obama im Frühjahr, als sie bei einem Gala-Diner in Herrenhausen zu den ausgesuchten 20 Wirtschaftsgrößen Deutschlands zählte. Oder die Verleihung der Karmarsch-Denkmünze in der Universität kurz vor Weihnachten, bei der sie die Laudatio auf den Preisträger, Continental-Chef Elmar Degenhart, hielt - jenen Mann, den sie vor inzwischen sieben Jahr noch selbst auf diese Position hievte. Und nicht zuletzt die Aufsichtsratssitzungen der Conti, bei denen sich die Unternehmerin aus Herzogenaurach regelmäßig anhören kann, wie gut es „ihrem“ Unternehmen inzwischen wieder geht.

Rechtzeitig zum 75. Geburtstag, den Schaeffler-Thumann Mittwoch feiert, scheint alles wieder ins Lot gerückt zu sein, was noch vor wenigen Jahren nach einem der größten Reinfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgesehen hatte. Die Übernahme von Continental 2008/09 hat bis heute Milliardenschulden im Schaeffler-Reich hinterlassen. Aber die Zeiten, als „die schöne Milliardärin“ („Bild“-Zeitung) das Lebenswerk ihres Mannes Georg Schaeffler und Zehntausende Jobs bei dem Wälzlagerhersteller und bei Continental aufs Spiel gesetzt hatte, sind vorbei.

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Anfeindungen, Spott und Häme, die sie damals einstecken musste, blendet sie inzwischen aus. „Man schüttelt sich wie ein nasser Pudel und lässt alles hinter sich“, sagte Schaeffler-Thumann unlängst in einem ihrer seltenen Interviews. Kann man auch, wenn man zusammen mit Sohn Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler die drittreichste Familie Deutschlands bildet. „Forbes“ schätzt das Vermögen auf mehr als 22 Milliarden Euro. Zu verdanken hat das die Familie vor allem dem rasanten Wiederaufstieg von Continental, deren Aktien sich seit dem Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise im Wert fast verzwanzigfacht haben.

Eben jene Krise war es, die „die Schaefflerin“, wie sie daheim in Herzogenaurach nur genannt wird, in den Abgrund hat blicken lassen. Mutter und Sohn beteuern immer wieder, dass sie nur eine Minderheitsbeteiligung an der Conti erwerben wollten. Doch mitten in ihr Übernahmeangebot im Jahr 2008 fiel die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die Aktien gingen auf Talfahrt - und plötzlich nahmen 90 Prozent der Conti-Aktionäre das einst leidlich reizvolle Angebot der Franken an. Schaeffler saß plötzlich auf 12 Milliarden Euro Schulden, musste 18 Prozent Zinsen zahlen, wusste nicht ein, noch aus. Sie suchte Verbündete auf der Arbeitnehmerseite, bat gar um Staatshilfe. Bei einer Solidaritäts-Demo ihrer Mitarbeiter brach sie in Tränen aus.

Die gebürtige Pragerin, die in Wien aufwuchs und dort ihr Medizinstudium abbrach, als sie den 24 Jahre älteren Georg Schaeffler kennenlernte, war wie ihr Mann eher öffentlichkeitsscheu. In der Not auch noch im Zentrum des Interesses zu stehen war ihr zuwider. Jene Tage waren nicht die einzigen traumatischen für Schaeffler-Thumann. 1975 musste sie den tragischen Tod ihres Sohnes Christian überwinden. Das sei die schlimmste Krise ihres Lebens gewesen, berichtete unlängst Sohn Georg, der inzwischen in den USA lebt. „Seitdem kann uns nicht mehr viel erschüttern.“ Der 51-jährige Jurist hält inzwischen 80 Prozent an der Familienholding, die über alle Stammaktien des M-Dax-Konzerns Schaeffler und über 46 Prozent der Conti-Anteile wacht. Für die Mutter sei der 75. jedoch keineswegs ein Grund kürzerzutreten, heißt es aus ihrem Umfeld. Den Geburtstag zu feiern dürfte ihr inzwischen besonders leicht fallen: Ihr zweiter Ehemann, der frühere BDI-Präsident Jürgen Thumann, wird am Mittwochebenfalls 75.

Lars Ruzic 16.08.2016
Lars Ruzic 15.08.2016
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