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Niedersachsen Continental spaltet sich in drei Einheiten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Continental spaltet sich in drei Einheiten
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21:40 18.07.2018
Das Logo bleibt – der Konzern spaltet sich unter dem Dach einer Holding auf.
Das Logo bleibt – der Konzern spaltet sich unter dem Dach einer Holding auf. Quelle: dpa
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Hannover

Continental steht vor einer Dreiteilung: Unter dem Dach einer Holding will der Vorstand künftig die Bereiche Automotive, Rubber und Powertrain ansiedeln. Die neue Konzernstruktur solle ab 2020 stehen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit. Voraussetzung dafür sei, dass der Aufsichtsrat den Plänen in der kommenden Woche zustimme. „Wir wollen durch kleinere Einheiten schneller, agiler und flexibler werden“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. „Unser Ziel ist es, in allen drei Bereichen stärker zu wachsen als die jeweiligen Märkte selbst.“

Trend zur Elektromobilität große Herausforderung

Der Autozulieferer hatte seine Umbaupläne zu Jahresbeginn angekündigt. Bereits im Februar war durchgesickert, dass Conti seine Antriebssparte Powertrain verselbstständigen und an die Börse bringen will. Aktuell gehört der Bereich noch zum Automotive-Bereich und ist stark auf den Verbrennungsmotor ausgerichtet. Der Trend zur Elektromobilität stelle Powertrain vor große Herausforderungen, sagte Degenhart. Es sei denkbar, künftig auch Batteriezellen selbst zu produzieren. Das Geld aus dem Börsengang wolle Conti unter anderem für die dafür nötigen Investitionen nutzen – der Konzern werde aber nicht die Kontrolle über die Sparte abgeben.

Auch für den Gummi-Bereich kann sich der Vorstand einen Börsengang vorstellen – allerdings erst in fernerer Zukunft. Denkbar sei ein solcher Schritt, falls der Konzern eine größere Übernahme finanzieren müsse, sagte Degenhart. Solche Akquisitionen seien in zwei Bereichen denkbar: Zum einen, um die Kompetenz in punkto Software zu erhöhen – zum anderen, um das Geschäft mit Dienstleistungen rund um die Mobilität anzukurbeln. In keinem Fall werde der Konzern die Mehrheit am Rubber-Bereich abgeben, hieß es: „Die Keimzelle bliebt im Besitz von Continental.“ Die Kautschuk-Spezialisten von Contitech bleiben Teil der Rubber-Sparte.

Kosten in Höhe von rund 450 Millionen Euro

Ebenfalls neu geordnet wird die Automotive-Sparte, die künftig zwei Geschäftsfelder umfasst: Neben den Bereich der Chassis-Funktionen mit Bremsen und Federungen tritt das Geschäft mit der internen und externen Vernetzung der Fahrzeuge. Um das Wachstum zu beschleunigen, werde hier zudem die Forschung und Entwicklung zentralisiert, hieß es.

Für den Umbau rechnet der Vorstand mit Kosten von rund 450 Millionen Euro. „Das ist ein gravierender Umbau, der viel Dynamik entfachen wird“, sagte der Branchenexperte der Nord/LB, Frank Schwope. An der Börse hielt sich die Begeisterung zunächst in Grenzen: Die Conti-Aktie legte zwischenzeitlich um rund ein Prozent auf 204,30 Euro zu.

Conti: Werden tausende Mitarbeiter einstellen

Die Arbeitnehmervertreter reagieren verhalten auf den Konzernumbau. „Wir verstehen den Schritt“, sagte Konzernbetriebsratschef Hasan Allak der HAZ. „Wir müssen nun dafür Sorge tragen, dass unsere Kollegen dafür nicht die Zeche zahlen.“ Bereits im Frühjahr hatten der Vorstand mit Betriebsräten und den Gewerkschaften IG Metall und IG BCE in einem Eckpunktepapier den Erhalt der rund 60.000 Arbeitsplätze in Deutschland festgeschrieben. „Wir betreiben keine Restrukturierung“, sagte Arbeitsdirektorin Ariane Reinhart gestern. „Wir stellen uns neu auf und werden Tausende Mitarbeiter einstellen.“

Einen Kommentar zur neuen Konzernstruktur von Continental lesen Sie hier.

Von Jens Heitmann