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Niedersachsen Flaute bei Elektroautos bedroht Arbeitsplätze
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Flaute bei Elektroautos bedroht Arbeitsplätze
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21:28 16.06.2015
Von Lars Ruzic
Foto: Continental will keine kompletten Motoren für Elektroautos mehr bauen.
Continental will keine kompletten Motoren für Elektroautos mehr bauen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

„Da bisher keine neuen Aufträge in Sicht sind, wird es auf absehbare Zeit auch keine in Gifhorn produzierten Elektromotoren mehr geben können.“ Der Standort war bislang der einzige im weltweiten Konzernverbund, der große E-Motoren fertigen konnte. Vor gut fünf Jahren hatte die Conti einen zweistelligen Millionenbetrag in den Aufbau der vermeintlichen Zukunftstechnologie investiert. Auf bis zu 60 000 Motoren im Jahr war die Kapazität ausgelegt worden. Doch über einen Auftrag für Renault kam der Standort nie hinaus. Die trüben Verkaufszahlen bei E-Autos insgesamt verschärften die Sorgen.

Auf der am Dienstag beendeten Nationalen Konferenz Elektromobilität hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar „eine weitergehende Förderung“ von E-Autos noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Für Gifhorn wird das wohl zu spät kommen. Jourdan sprach sich gleichwohl für staatliche Anreize zur Absatzförderung aus. „In Ländern, die den Verkauf von Elektroautos fördern, sind auch die Verkäufe wesentlich höher“, sagte er. An dem Ziel, dass 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren sollen, hielt die Konferenz fest. Bislang sind erst gut 25 000 Fahrzeuge zugelassen.

Mit dem Standbein E-Mobilität hatte die Conti ursprünglich den Strukturwandel im Gifhorner Werk abfedern wollen. Denn dort steht noch ein weiterer, wesentlich größerer Bereich vor dem Aus: Die Zylinder für Bremskraftverstärker ließen sich in Deutschland nicht mehr profitabel fertigen, rechnete Jourdan vor. „Wenn wir hier nicht die Notbremse ziehen, stehen noch Arbeitsplätze an anderen Standorten auf dem Spiel.“ An den Bremskraftverstärkern hängen insgesamt 4000 Jobs in Gifhorn, Frankfurt und dem tschechischen Jicin. Der Chef der Conti-Bremssparte will die Zylinder – wie bereits die Konkurrenz – künftig an einem Niedrigkostenstandort fertigen.

Seit Monaten verhandeln Konzern und IG Metall in Gifhorn über die Modalitäten des Werksumbaus. Morgen treffen sie sich zu weiteren Gesprächen. Die Gewerkschaft sieht insgesamt 680 der 1600 Arbeitsplätze in Gefahr. Jourdan wollte sich auf das Ausmaß des Abbaus nicht festlegen. „Aber es wird eine substanzielle Zahl von Stellen sein.“ Ziel sei es, die Restrukturierung „so sozialverträglich wie möglich“ zu gestalten. Den Betroffenen sollten andere Jobs innerhalb des Konzerns angeboten werden.

Niedersachsens IG-Metall-Chef und Conti-Aufsichtsratsvize Hartmut Meine kritisierte das Vorgehen des Konzerns scharf. Wenn Produkte verlagert werden sollen, müssten vorher Entscheidungen über neue, zukunftsorientierte Produkte für Gifhorn fallen. „Wer abholzt, muss auch aufforsten“, sagte Meine der HAZ. Er kündigte „massive Proteste“ für den Fall an, dass der Konzern betriebsbedingte Kündigungen aussprechen wolle. Conti als zweitgrößter Konzern des Landes habe „eine beschäftigungspolitische Verantwortung für die Arbeitsplätze in Niedersachsen“.

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