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Niedersachsen IG Metall sieht 680 Conti-Jobs in Gefahr
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IG Metall sieht 680 Conti-Jobs in Gefahr
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00:19 05.06.2015
Von Jens Heitmann
Foto: Das Gifhorner Werk schreibt seit Jahren rote Zahlen.
Das Gifhorner Werk schreibt seit Jahren rote Zahlen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Gifhorn/Salzgitter

Der Autozulieferer Continental will sein Werk in Gifhorn deutlich verkleinern. Nach Angaben der IG Metall sollen von den derzeit 1600 Arbeitsplätzen mittelfristig 680 wegfallen. Eine Unternehmenssprecherin wollte diese Zahl am Mittwoch nicht bestätigen. Das Werk sei aus Sicht des Konzerns international nicht wettbewerbsfähig, daher werde man auch an einem Stellenabbau nicht vorbeikommen – über die Größenordnung werde aber noch mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt.

Die Gewerkschaft kritisierte die Conti-Pläne. „Alle Welt redet von Fachkräftemangel, und Continental will die Arbeitsplätze von 680 Fachkräften abbauen“, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. „Das ist unlogisch und schadet auch dem Ruf von Continental als Arbeitgeber.“

Gewerkschaft und Betriebsrat fordern eine langfristige Sicherung aller Arbeitsplätze, den Erhalt der Berufsausbildung und die Übernahme aller Ausgebildeten. Am Mittwoch versammelten sich rund 500 Mitarbeiter vor dem Werkstor in Gifhorn zu einer Kundgebung und machten ihrem Ärger mit Trillerpfeifen Luft.

Gifhorn ist nach der Konzernzentrale in Hannover und dem Contitech-Werk in Northeim der drittgrößte Continental-Standort in Niedersachsen. Er kam im Jahr 1996 mit der Übernahme des Bremsenspezialisten Teves zum Unternehmen. Das Werk ist unter anderem auf hydraulische Bremskomponenten spezialisiert, die viele Konkurrenten bereits in Billiglohnländern herstellen lassen.

Die Probleme in Gifhorn seien vielschichtig, heißt es im Konzern. Von den sieben Geschäftsbereichen im Werk arbeiteten einige zu ineffizient – bei anderen fehlten schlicht Aufträge. Dies gilt besonders für die Bremszylinder-Sparte, die mit 400 Beschäftigten zu den größten Produktbereichen in Gifhorn gehört. Der Bereich brauche „einen kräftigen Produktivitätssprung“. Andere Bereiche wie die Ventilblockzerspanung oder die Luftfederproduktion seien bereits deutlich wettbewerbsfähiger. Es gibt hier offenbar keine freien Plätze für die Kollegen aus anderen Sparten.

Continental hat in Gifhorn Millionen in den Aufbau einer Elektromotorfertigung investiert. Die Hoffnungen auf ein großes Geschäft haben sich aber zerschlagen – bisher lässt nur Renault dort fertigen. Die Kapazitäten seien kaum ausgelastet, ist zu hören.
Insgesamt hat Conti in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 84 Millionen Euro in die Modernisierung des Standortes gesteckt. Auch die Beschäftigten mussten ihren Beitrag leisten – etwa mit einer Verringerung der Arbeitszeit um fünf auf 35 Stunden, mit entsprechenden Lohneinbußen. Besonders stößt sich die Werksleitung in Gifhorn an der Vielzahl der Arbeitszeitmodelle. Es gibt angeblich 266 unterschiedliche Modelle für die 1600 Beschäftigten.

 

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