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Niedersachsen DSD Steel übernimmt Siag Nordseewerke nun doch
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen DSD Steel übernimmt Siag Nordseewerke nun doch
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20:57 17.01.2013
Von Jens Heitmann
Die Siag Nordseewerke in Emden werden von einem Stahlbauer aus dem Saarland übernommen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover/Emden

„Wir haben das Beste für die Menschen in Emden und für das Land erreicht“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am Donnerstagabend in Hannover.

Der Vereinbarung zufolge übernimmt der Stahlbauer DSD Steel aus Saarlouis 240 Mitarbeiter der Nordseewerke. Weitere 150 Arbeitsplätze will ThyssenKrupp in der Region anbieten – der frühere Eigentümer der Nordseewerke. Die übrigen Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln, die sie für andere Stellenangebote qualifizieren soll. An der Finanzierung dieser Gesellschaft werde sich das Land finanziell beteiligen, sagte Bode. Auch ThyssenKrupp habe einen Beitrag zugesagt.

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Vor allem das Engagement des Stahlkonzerns hat die Verhandlungen um die Nordseewerke offenbar vor dem Scheitern bewahrt. Zuvor waren die Gespräche zwischen DSD Steel und der Nord/LB festgefahren: Der Investor wollte den Kaufpreis von 20 Millionen Euro dem Vernehmen nach zum größten Teil über einen Kredit der Nord/LB finanzieren – angeblich in Höhe von 15 Millionen Euro. Offen war jedoch, wer den verbleibenden Betrag finanzieren sollte. Durch den Beitrag von ThyssenKrupp habe man nun ein Paket schnüren können, mit dem alle Seiten zufrieden seien, hieß es gestern. Das Land bürge für 80 Prozent der Kreditsumme, sagte Bode.

ThyssenKrupp hatte die Nordseewerke 2010 an den Zulieferer Siag Schaaf verkauft, der die Marinewerft zu einem Hersteller von Türmen und Fundamenten für die Offshore-Windindustrie umrüsten wollte. Die Nord/LB hatte dafür Kredite von 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – 50 Millionen Euro wurden vom Land verbürgt. Mit einer Anschubhilfe von 32 Millionen Euro und einer Minderheitsbeteiligung war auch ThyssenKrupp an Bord geblieben.

Nach Angaben des Wirtschaftsministerium könnte der Kompromiss dazu führen, dass für das Land aus dem alten Kredit nicht die gesamte Bürgschaft fällig wird. Die Nord/LB werde als Gläubiger „mit plus/minus null“ herauskommen, hieß es. Allerdings steht die Einigung unter Vorbehalt – der Nord/LB-Vorstand, die Arbeitnehmervertreter und der Haushaltsausschuss des Landtages müssen noch zustimmen.

Olaf Lies, SPD-Kandidat für das Amt des Wirtschaftsministers, befürchtet, dass die Landsregierung vor der Wahl nur eine „Scheinlösung“ präsentiert.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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