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Niedersachsen „Der CeBIT neuen Glanz verleihen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Der CeBIT neuen Glanz verleihen“
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20:27 26.07.2013
Von Jens Heitmann
Foto: Oliver Frese möchte den Kern der Cebit stärken.
Oliver Frese möchte den Kern der Cebit stärken. Quelle: dpa
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Hannover

Herr Frese, Sie wollen die CeBIT zu 100 Prozent auf Geschäftskunden ausrichten. Was haben Sie gegen Privatbesucher, die brav Eintritt zahlen und Ihnen die Hallen füllen?

Gar nichts. Wir schließen niemanden aus - wir wollen aber den Kern der CeBIT stärken. Und der Kern ist das Geschäft. Die Aussteller wollen auf der Messe Geschäft machen, also Aufträge hereinholen. Der Anteil der Fachbesucher ist in diesem Jahr bereits auf 83 Prozent gestiegen.

Wer ist denn für Sie ein Fachbesucher? IT ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken - auch Privatleute investieren zum Teil hohe Summen in neueste Technik ...

Die Grenzen sind in der Tat fließend. Wir definieren den Fachbesucher als businessorientierten Endverbraucher - das sind letztlich alle, die Hardware und Software vorwiegend im beruflichen Umfeld nutzen. Unter unseren Fachbesuchern zählt jeder dritte zu den Top-entscheidern in seinem Unternehmen, also Vorstände, Geschäftsführer und Bereichsleiter. Wer aus dieser Gruppe aus dem Ausland zur CeBIT kommt, hat durchschnittlich ein Investitionsvolumen von 170 000 Euro im Gepäck.

Gleichwohl haben Branchenriesen wie die Deutsche Telekom und Microsoft kritisch auf die Neuausrichtung der CeBIT reagiert. Sie fürchten einen weiteren Besucherschwund und damit weniger Beachtung in den Medien.

Wir haben die CeBIT zusammen mit unseren großen Kunden in diese Richtung weiterentwickelt. Sie tragen die klare Ausrichtung zu 100 Prozent mit. Auf der CeBIT kommen internationale Konzerne, internationale Spitzenpolitiker und Wissenschaft zusammen - das macht die CeBIT einzigartig und sie wird den internationalen Medien auch künftig unendlich viele Themen bieten, denn viele Themen der CeBIT haben einen direkten Anknüpfungspunkt in das alltägliche Leben aller Menschen.

Sie haben den Ticketpreis um die Hälfte auf 60 Euro erhöht, um Privatbesucher abzuschrecken. Wie wollen Sie verhindern, dass Aussteller ihr Konzept mit Tausenden Freikarten konterkarieren?

Noch einmal: Wir wollen niemanden abschrecken. Die CeBIT konzentriert sich auf Business, 2013 hatten nur noch 10 Prozent der Aussteller den klassischen Endverbraucher im Blick. Es geht doch darum, klar zu sagen, was der Besucher erwarten kann auf einer Veranstaltung. Die neuesten Handys, Tablets und Gadgets werden auf der CeBIT zu sehen sein, aber die Anwendungen darauf drehen sich um das Geschäft.

Und trotzdem wurden sehr viele Gratistickets unters Volk gebracht.

Wir haben darüber mit den Ausstellern gesprochen und koppeln die Zahl der Ausstellerkarten an die Standgröße. Dadurch wird sich die Zahl der Tickets im Markt vermutlich um ein Drittel reduzieren. Das erfordert intelligente Steuerung, denn 70 Prozent der Besucher kommen auf Einladung der Aussteller zur CeBIT. Das ist unser größter Hebel.

Wenn weniger private Interessenten kommen, dürfte die Besucherzahl weiter sinken.

In diesem Jahr hatten wir 280 000 Gäste, 230 000 davon waren Fachbesucher. Für die nächste CeBIT liegt unsere Zielmarke bei 230 000 Besuchern plus X. Mittelfristig wollen wir wieder mehr als 300 000 Gäste auf das Gelände locken.

Wo sollen die herkommen?

Ich bin mir sehr sicher, dass wir durch die klare Profilierung und Positionierung der CeBIT Wachstum erzielen. Wir werden bei der Akquisition mit Blick auf unsere Schlüsselmärkte in Asien, in Europa und in den USA noch stringenter vorgehen als bisher.

Die Messe wirbt mit einem breiten Konferenzangebot. Wer hat dafür eigentlich Zeit, wenn die Besucher immer kürzer auf der CeBIT sind und die Taktung ihrer Termine immer enger wird?

Wir werden unsere Konferenzformate sogar ausbauen - sie dafür aber stärker ins Messegeschehen integrieren. Statt im Congress-Center finden die Konferenzen künftig in der Halle 8 statt. Zugleich wollen wir hochkarätige Sprecher gewinnen, die für ein Toppublikum interessant sind. Beide Bereiche werden sich noch stärker befruchten.

Die CeBIT steht von mehreren Seiten unter Druck: Die IFA in Berlin zieht die Endkunden an, in Barcelona trifft sich die Mobilfunkgemeinde, auf der Hannover Messe sind mehr und mehr IT-Produkte zu sehen ...

Messen sind Spiegelbilder der Märkte und verändern sich mit ihnen. Gerade das Zusammenwachsen von IT und industrieller Produktion unter dem Stichwort Industrie 4.0 ist für Hannover eine Riesenchance, weil hier die beiden größten und internationalsten Leitmessen der Welt stattfinden. Es gibt für viele Aussteller inzwischen gute Gründe, auf beiden Messen vertreten zu sein. Die CeBIT richtet sich an die IT-Spezialisten - auf der Hannover Messe geht es um den Einsatz von Informationstechnik in der industriellen Produktion. IT ist der Treiber für Industrie 4.0, für die intelligente Fabrik von morgen.

Ihren Optimismus in Ehren - aber die CeBIT hat sich schon öfter neu erfunden, um dann wieder vor den alten Problemen zu stehen. Jetzt soll die Konzentration auf die Businessclass den Niedergang stoppen. Ist das der letzte Schuss?

Wenn ein Produkt weltweit erfolgreich sein soll, muss es ständig weiterentwickelt werden. Den Golf von Volkswagen gibt es jetzt in der 7. Generation - und es ist das erfolgreichste Auto der Welt. Wenn Sie so wollen, bringen wir jetzt eine neue Generation der CeBIT auf den Markt - und sie wird so weiter die erfolgreichste IT-Messe der Welt bleiben.

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