Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Die Seuche, die aus dem Osten droht
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Die Seuche, die aus dem Osten droht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:23 17.10.2014
Von Heiko Randermann
Landwirt Hubert Moorkamp sin einem seiner Schweinemastställe in Lindern. Quelle: Carmen Jaspersen
Anzeige
Lindern

Hermann Seelhorst hat das alles als Amtsveterinär schon einmal mitgemacht, damals, Mitte der neunziger Jahre, als die Schweinepest in Niedersachsen wütete. Die Klassische Schweinepest wohlgemerkt, in Europa gut bekannt und erforscht. „Die Afrikanische Schweinepest, die galt damals als was Exotisches.

Wir dachten, die gibt’s nur in Afrika, südlich der Sahara, damit werden wir nie etwas zu tun haben“, erinnert sich der heutige Leiter der Abteilung Seuchenbekämpfung im Veterinäramt des Kreises Cloppenburg. 20 Jahre später hat sich diese Einschätzung als Irrtum herausgestellt: Niedersachsens Schweinehalter rüsten sich für ein mögliches Auftreten der Krankheit - eine Bedrohung, die sie als viel größer empfinden als die Klassische Schweinepest. Das Landvolk im Westen Niedersachsens fordern die Entwicklung eines Impfstoffs und die Erlaubnis, auch geimpfte Schweine verkaufen zu können.

Anzeige

Die Angst der Tierhalter ist groß, seit Anfang des Jahres Fälle der Afrikanischen Schweinepest aus dem Baltikum gemeldet wurden. Mittlerweile gibt es Dutzende Fälle, auch in Polen, die meisten davon betreffen Wildschweine. Die Krankheit verläuft, anders als bisher ­bekannte Formen der Afrikanischen Schweinepest, in 100 Prozent der Fälle tödlich. Die Ansteckung erfolgt über Körperkontakt und -flüssigkeiten, insbesondere Blut. Für Menschen ist das Virus ungefährlich.

Es hält sich auch noch in Lebensmitteln, die aus infizierten Tieren hergestellt wurden. Auf diesem Weg hat die Afrikanische Schweinepest vermutlich auch den Weg in den Kaukasus und von da an die Ostsee gefunden. Das könnte auch in Niedersachsen passieren: Ein Stückchen Salami, das auf einer Autobahnraststätte weggeworfen und von einem Wildschwein gefressen werde, reiche schon, um das Virus einzuschleppen, warnt Paul Brandt, Vorsitzender des Verbands der Fleischwirtschaft. Doch noch seien die meisten Schweinebestände nicht betroffen.

Deshalb erhalten alle Schweinehalter detaillierte Anweisungen, mit welchen Hygienemaßnahmen sie verhindern können, dass der Erreger die Hausschweine erreichen könnte. Es ist die beste Waffe, die es derzeit gegen die Afrikanische Schweinepest gibt. „Wenn alle die Hygienevorschriften einhalten, dann können wir das Risiko der Einschleppung erheblich minimieren“, sagt Amtsveterinär Seelhorst, um dann zu ergänzen: „Hundertprozentig ausschließen können wir das wohl nie.“

Sollte ein Bestand infiziert werden, wäre das eine Katastrophe für den Halter, aber auch für die Region, sagt Brandt. Denn die Vorgabe ist eindeutig: Ist nur ein Tier infiziert, muss der gesamte Bestand getötet werden. Auch die Tiere der Betriebe, die vor Kurzem Kontakt zu dem Bestand hatten, werden gekeult. „Sie können sich vorstellen, das ist kein schöner Anblick“, sagt Hubert Moorkamp. Der 46-Jährige ist Landwirt in Lindern (Kreis Cloppenburg), er hält 2300 Schweine.

Die ganze Region wäre betroffen: Um den Betrieb würde sofort eine Drei-Kilometer-Sperrzone gezogen, in der alle weiteren Schweinebetriebe untersucht würden. Im Umkreis von zehn Kilometern würde kein Schwein mehr transportiert werden - für zwei Monate. „Die Afrikanische Schweinepest ist für uns eine große Herausforderung“, sagt Hubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands in Cloppenburg. Allein mit dem Töten von Schweinen sei sie vermutlich nicht in den Griff zu bekommen, da sich der Erreger bei Wildschweinen halten würde. Es sei unmöglich, einen infizierten Wildschweinbestand durch Jagd auszutilgen, stattdessen würde eine intensive Jagd dazu führen, dass die Tiere sich zerstreuten und das Virus noch weiter verbreiten.Berges fordert daher die Politik auf, die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben. Allein mithilfe von Impfködern sei es in den neunziger Jahren gelungen, die Klassische Schweinepest bei Wildschweinen wieder zu tilgen, ergänzt Seelhorst.

Die Schweinehalter fordern aber noch einen weiteren Schritt: Fleisch von geimpften Tieren soll auch vermarktet werden können. Der Erreger bedeute schließlich für Menschen keinerlei Gefahr, und der ursprüngliche Grund für die Entscheidung gegen Impfstoffe sei hinfällig geworden. Früher habe man die Fleischprobe eines geimpften Tieres nicht von der eines infizierten Tieres unterscheiden können, sagt Berges. Mittlerweile gebe es aber markierte Impfstoffe, die genau diesen Unterschied kenntlich machten.

14.10.2014
Niedersachsen 25 Jahre nach Komatsu-Einstieg - Hanomag kann wieder "Gas geben"
Lars Ruzic 14.10.2014
Niedersachsen Aromenkonzern Symrise - Das Zwiebel-Prinzip
Lars Ruzic 11.10.2014