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Niedersachsen Doctape soll Marktführer im Datenmanagement werden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Doctape soll Marktführer im Datenmanagement werden
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14:09 07.01.2013
Von Lars Ruzic
Wenige Möbel, viel Ehrgeiz: Sven Hohlfeld, Sascha Reuter und Ricardo Ferrer Rivero. Quelle: dpa
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Hannover

Über die Arbeit junger Internet-Unternehmer haben sich in den vergangenen Jahren viele Vorurteile gebildet. Da sitzen Webdesigner (Netzentwickler) mit ihren Hoodies (Kapuzenpullis) in loftartigen Coworkingspaces (Büro-WGs) und brüten bei Latte Macchiato und Biobrause über neuen Geschäftsideen – das Smartphone (Computerhandy) stets in Griffweite.

Zumindest von diesen Stereotypen lassen auch die Gründer des Dateiportals Doctape keines aus. Sascha Reuter, Sven Hohlfeld und Ricardo Ferrer Rivero haben sich im „Edelstall“ oberhalb des Lindener Capitols eingemietet, einer der bekanntesten Bürogemeinschaften in Hannover.
Doch von ihren Unternehmerkollegen im Loft unterscheidet sie ansonsten einiges. Nicht nur, dass sie im „Edelstall“ über eigene Büroräume verfügen und mehrere Mitarbeiter beschäftigen. Die Macher von Doctape haben eine Vielzahl von Investoren aus der Netzwirtschaft an Land ziehen können, deren Geld ihnen den Start erleichtert. Darunter sind Gründer oder Gesellschafter von bekannten Internetgrößen wie Zalando, eDarling oder Idealo.

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Insgesamt sieben Investoren haben die Hannoveraner von einer Beteiligung überzeugt. „Gemeinsam haben wir Großes vor“, sagt Reuter, der zuletzt als Netzwerkarchitekt bei Rossmann arbeitete. „Ich sehe in Doctape das Potenzial, internationaler Marktführer zu werden“, meint Frank Biedka, Miteigentümer des Online-Kaufhauses Zalando und nun auch der tape.io GmbH, die das Dateimanagementsystem betreibt.

Über Doctape kann man Dateien in die virtuelle Wolke verschieben und auf anderen Geräten wieder aufrufen. Diese Idee ist zwar nicht neu – Millionen Menschen nutzen schon heute Programme wie Dropbox dafür. Doch Doctape nimmt für sich in Anspruch, besonders einfach zu sein. So kann die Software mehr als 80 unterschiedliche Dateiformate – ob Textdokumente, Kalkulationen, Präsentationen, Bilder, Videos oder Musikstücke – automatisch verarbeiten, sodass sie auf allen Geräten direkt betrachtet werden können. „Wir schieben nicht einfach nur die Festplatte in die Wolke“, umschreibt es der frühere Unternehmensberater Hohlfeld.

Für diese Art der Dienstleistung sehen die Jungunternehmer ein großes Potenzial. „Immer weniger Geräte werden noch mit großen Speichermedien ausgestattet“, sagt Ferrer Rivero. „Da wird man ins Netz ausweichen müssen.“ Dass andere sich auf diesem Gebiet schon einen Namen gemacht haben, ficht die Hannoveraner nicht an. Sie setzen auf die Überlegenheit ihrer Software. „Wir holen uns nach und nach ein Stück vom Kuchen“, sagt Hohlfeld. Die Zielgruppe sei „jedermann – und das global“, ergänzt Reuter.

Doctape geht nach dem in der Branche üblichen Strickmuster vor. „Wir müssen erst Masse schaffen, dann geht es ans Geldverdienen“, sagt Hohlfeld. Derzeit kann sich jedermann gratis bei Doctape anmelden und die entsprechenden Apps herunterladen, fünf Gigabyte sind frei. Erst gegen Ende des Jahres, wenn eine sechsstellige Nutzerzahl erreicht ist, soll eine kostenpflichtige Premium-Variante mit mehr Speicherplatz und zusätzlichen Suchfunktionen hinzukommen. Ein weiteres Jahr später will man schwarze Zahlen schreiben.

Eigene Speicherkapazitäten wollen die Hannoveraner trotz ihrer Wachstumspläne übrigens nicht aufbauen. Große Server-Farmen seien nicht notwendig, „die Kapazitäten lassen sich innerhalb weniger Minuten bei Amazon zusammenkaufen“, berichtet Reuter. So blieben die eigenen Kosten auch im Rahmen. „Wir kaufen nur, was wir brauchen.“

dpa