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Niedersachsen Milliardenprojekt Breitbandausbau wird teurer und dauert länger
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Milliardenprojekt Breitbandausbau wird teurer und dauert länger
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00:18 30.12.2018
Zu viele Aufträge, zu wenige Mitarbeiter: Tiefbaufirmen bremsen den Breitbandausbau Quelle: dpa
Hannover

Die niedersächsischen Landkreise finden nicht genügend Baufirmen für das Verlegen schneller Internetzugänge. Der mit über einer Milliarde Steuergeld geförderte Ausbau wird deshalb teurer und dauert länger als geplant. „Alle stürzen sich jetzt auf die kleinen und mittelständischen Leitungsbau-Unternehmen, die für diese vielen Aufträge nicht ausreichend Kapazitäten haben“, sagte Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des „Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen“, der HAZ. Das Zentrum berät die Kreise bei ihren Bauprojekten.

Beyersdorff zufolge wurden die Kosten für das Verlegen von Glasfaserkabeln vielerorts vor über einem Jahr kalkuliert. Mittlerweile verlangten Tiefbaufirmen aufgrund der hohen Nachfrage jedoch deutlich mehr – die Kosten stiegen oft „im zweistelligen Prozentbereich“. Einige Landkreise hätten dafür ausreichend Reserven einkalkuliert, aber nicht alle. Konkrete Beispiele wollte er nicht nennen.

Der Niedersächsische Landkreistag, der die Interessen der Kreise vertritt, bestätigte die Probleme. „Jetzt führt die flächendeckende Nachfrage nach Tiefbauarbeiten teilweise zu einer drastischen Preissteigerung, die manche Kalkulation vor Ort über den Haufen wirft,“ sagte Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer.

Die Kommunen müssten nun finanziell entlastet werden, forderte Meyer. Dazu müsse die Landesregierung ihre Förderprogramme so unbürokratisch wie möglich gestalten und sich auch in Berlin für einfachere Verfahren einsetzen.

Für die Kreise geht es um viel Geld. Zum Beispiel plant allein der Landkreis Diepholz Investitionen in Höhe von 180 Millionen Euro – er spricht von „einem der größten Breitbandprojekte in Deutschland“. Im Landkreis Uelzen sind es rund 120 Millionen Euro. Einen Teil der Kosten übernehmen jeweils das Land Niedersachsen und der Bund.

Arbeiter aus der Ukraine

Für den Ausbau sind Steuergelder nötig, weil sich der Ausbau in ländlichen Regionen für Firmen wie die Telekom oder Vodafone kaum lohnt. In einigen niedersächsischen Regionen – zum Beispiel im Landkreis Uelzen – kann die Hälfte der Haushalte mit maximal 30 Megabit pro Sekunde im Netz surfen und gilt damit offiziell als „unterversorgt“.

Die Landkreise wollen nun fast alle unterversorgten Gebäude mit schnelleren Anschlüssen ausstatten. Einige Kreise wie Uelzen oder Diepholz verlegen die Glasfaserkabel selbst, andere fördern den Ausbau durch Telekommunikationsbetreiber wie die Telekom.

Die hohe Nachfrage führt allerdings auch zu zeitlichen Verzögerungen. Im Landkreis Uelzen zum Beispiel dauern die Bauarbeiten voraussichtlich „bis zu ein Jahr“ länger als geplant, sagte die Projektverantwortliche, Marlis Kämpfer. Die beauftragte polnische Firma finde aufgrund der guten Baukonjunktur in Polen nicht genügend Mitarbeiter. Sie suche nun in der Ukraine nach Fachkräften – diese müssten jedoch auf Visa warten. Immerhin haben die Arbeiten in Uelzen bereits begonnen. In vielen anderen Landkreisen ist der Spatenstich noch nicht erfolgt, die Verzögerungen sind noch nicht absehbar.

Weit hinter Plan

Der Breitbandausbau in Niedersachsen und anderen Flächenländern hinkt den Zielen schon jetzt weit hinterher. Die Bundesregierung wollte erreichen, dass bis Ende 2018 alle Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen sind. Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung, die bis 2017 im Amt war, hatte realistischer geplant: Sie wollte das 50-Megabit-Ziel bis 2020 erreichen. Aber auch das scheint nun kaum noch möglich. Die aktuelle Landesregierung hat sich ein neues Ziel gesetzt: Bis 2025 sollen alle Haushalte einen „Gigabit“-Anschluss haben, was einer Geschwindigkeit von 1000 Megabit pro Sekunde entspricht.

In der Region Hannover lief der Ausbau nach Plan: Aufgrund der relativ dichten Besiedlung waren hier nur wenige Haushalte „unterversorgt“, außerdem begannen die Bauarbeiten relativ früh. Schon in diesen Tagen werde das Projekt erfolgreich abgeschlossen, erklärte eine Regionssprecherin auf Anfrage.

Von Christian Wölbert

Es ist gut, dass die Bundesregierung den Breitbandausbau endlich fördert. Das bürokratische Verfahren hat allerdings zu viel Zeit gekostet, meint unser Kommentator.

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