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Niedersachsen Entsorger stoppt kostenlose Abholung bei Apotheken
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Entsorger stoppt kostenlose Abholung bei Apotheken
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21:45 27.05.2009
Von Conrad von Meding
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Was tun, wenn das Datum abläuft? Apotheken könnten bald die Annahme verweigern. Quelle: Michael Urban/ddp
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Er will den Apothekern stattdessen ein kostenpflichtiges Entsorgungsangebot unterbreiten. Die müssen sich jetzt überlegen, ob sie weiterhin freiwillig von ihren Kunden gebrachte Medikamente zurücknehmen wollen – und damit im Zweifelsfall selbst für die Entsorgung bezahlen. Immer häufiger werden schon jetzt Apothekenkunden nach Hause geschickt mit dem Hinweis, sie sollten abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente im Hausmüll entsorgen. Davon aber raten Experten ab.

Zwar könnte der Großteil der Pillen und Pasten, Tinkturen und Trinklösungen getrost über den Hausmüll auf die Deponien in Müllverbrennungsanlagen wandern. „Sogar Antibiotika richten auf unserer Deponie keinen Schaden an“, heißt es etwa beim kommunalen Entsorger aha in Hannover. Weil aber die Gefahr groß ist, dass Missbrauch mit Altmedikamenten betrieben wird oder spielende Kinder gefährliche Tabletten für Smarties halten, soll Medizin nicht in der Mülltonne entsorgt werden. Für die Apothekerschaft sind abgelaufene Medikamente ohnehin „kein Müll, sondern ein besonderer Wertstoff“, wie der Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen, Martin Thomsen, betont: „Weil Apotheker sich als Serviceunternehmen verstehen, gehört die Rücknahme von Medikamenten für uns dazu.“

Bisher war diese Rücknahme auch recht einfach. Die Apotheken trennten die Verpackungen von der Medizin, dann kam ein Fahrzeug der Kölner Vfw Remedical und holte beides ab. Den Service gibt es seit 1995, er wurde im Wesentlichen von der Pharmaindustrie bezahlt, weil diese damit ihrer Verpflichtung zur Rücknahme des Verpackungsmülls nachkam. Jetzt aber hat der Gesetzgeber die Verpackungsverordnung geändert. Eine „Selbstentsorgerlösung“ wie von Vfw und bundesweit etwa 16 000 Apotheken bisher betrieben, ist damit nicht mehr erlaubt. Medikamentenverpackungen gehören künftig in den Gelben Sack – damit aber ist „das Abholen allein der Altmedizin nicht mehr wirtschaftlich“, wie Vfw-Sprecher Michael Heising sagt.

Manch ein Apotheker denkt über individuelle Lösungen nach. „Dann bringen wir die Medikamente lieber selbst zur Deponie“, heißt es etwa in der hannoverschen Geibel-Apotheke. Beim kommunalen Entsorger aha will man die Medizin kostenlos annehmen. Privatleute dürfen die Altmedizin sogar zu den Wertstoffhöfen bringen. Auf keinen Fall dürfen die Medikamente aber in den Ausguss gekippt werden, wie einzelnen Kunden geraten wurde: Die chemischen Verbindungen können in den Kläranlagen üble Nebenwirkungen verursachen.