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Niedersachsen Ermittler decken Abrechnungsbetrug bei Krankenkasse KKH-Allianz auf
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ermittler decken Abrechnungsbetrug bei Krankenkasse KKH-Allianz auf
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17:03 23.03.2011
KKH-Allianz-Vorstandschef Ingo Kailuweit fordert den Einsatz des Gesetzgebers.
KKH-Allianz-Vorstandschef Ingo Kailuweit fordert den Einsatz des Gesetzgebers. Quelle: Michael Heck
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Der Krankenkasse KKH-Allianz ist im vergangenen Jahr durch Abrechnungsbetrug ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Die Schadenssumme von rund 2,1 Millionen Euro sei der höchste Jahresschaden, den das Ermittlerteam der KKH-Allianz seit seiner Gründung vor zehn Jahren festgestellt habe, sagte am Mittwoch der Vorstandschef der viertgrößten Krankenkasse in Deutschland, Ingo Kailuweit. „Die Bilanz zeigt uns, dass sowohl die Ermittlungsbehörden als auch der Gesetzgeber in vielen Punkten gefordert sind“, sagte Kailuweit.

Insgesamt habe das Ermittlerteam 949 neue Betrugsfälle aufgedeckt. In mehr als jedem dritten Fall (348) wurde gegen Apotheker ermittelt, in 196 Fällen gegen Krankengymnasten und Physiotherapeuten vorgegangen. Bei den Ärzten wurden 55 Fälle des Betruges aufgedeckt. Bezogen auf die Schadenssumme lagen die Ärzte mit 953.000 Euro mit weitem Abstand vor den Apothekern mit 431.000 Euro. Der Leistungsmissbrauch durch Versicherte kostete die KKH-Allianz rund 190.000 Euro. Die Dunkelziffer liege noch viel höher, und die Betrüger gingen immer dreister vor, sagte Kailuweit.

Seit Oktober ermittele die Staatsanwaltschaft gegen eine Apothekerin, die im Verdacht steht, die gesetzliche Krankenkasse um mehrere hunderttausend Euro betrogen zu haben. Eher makaber ist der Fall, in den zwei Ärzte und zwei Apotheken verwickelt sind: Ihnen wird vorgeworfen, ärztliche Leistungen und Rezepte für Patienten abgerechnet zu haben, die bereits im Krankenhaus lagen oder gestorben waren.

KKH-Allianz-Chef Kailuweit fordert eine Gesetzesänderung mit dem Strafbestand Betrug im Gesundheitswesen: „Trotz der zurzeit positiven Entwicklung in der Rechtssprechung zu der Frage, ob sich ein niedergelassener Arzt wegen Korruption strafbar machen kann, brauchen wir hierzu eine Klarstellung im Gesetz“. Eine Forderung für die sich auch Staatsanwalt André Schmidt von der Zentralstelle für Korruption bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausspricht.

Die meisten Betrügereien wurden in Bayern aufgedeckt, gefolgt von Niedersachsen, betonte die Chefermittlerin der KKH-Allianz, Dina Michels. Sie leitet ein achtköpfiges Team. Seit Bestehen der Gruppe wurden über 9000 Fälle aufgedeckt.

dpa

22.03.2011
Lars Ruzic 18.03.2011