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Niedersachsen Ex-Solar-Millennium-Vorstandschef Claassen will Klartext reden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ex-Solar-Millennium-Vorstandschef Claassen will Klartext reden
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21:05 29.03.2010
Von Jens Heitmann
Utz Claassen wehrt sich gegen die Erklärung von Solar Millennium. Quelle: Surrey
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Er sei bereit, „Transparenz über die Gründe meiner Amtsniederlegung zu schaffen, etwa mit einem offenen Brief oder einer Pressekonferenz“, sagte der Manager dem Berliner „Tagesspiegel“ – falls Vorstand und Aufsichtsrat von Solar Millennium das wünschten. „Einzig und allein im Interesse des Unternehmens“ habe er darauf bisher verzichtet. An der Börse wurde dieses Angebot offenbar als Drohung aufgefasst: Die Solar-Aktie setzte gestern ihren Kurssturz auf 19,20 Euro fort, sie hat seit Mitte Januar 60 Prozent ihres Wertes verloren.

Claassen erklärte, er habe sein Amt nicht „aus einer Laune oder aus einem nichtigen Anlass“ niedergelegt: „Für meinen Schritt gibt es gute professionelle Gründe.“ Diese habe er einem Vorstandskollegen am Tag des Rücktritts erläutert, einen Tag später auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Solar Millennium hatte seinerzeit mitgeteilt, Claassen habe sich lediglich „auf ein ihm eingeräumtes Recht, innerhalb einer definierten Überlegungsfrist sein Amt niederzulegen“ berufen: „Weitere Gründe hat er dem Unternehmen nicht mitgeteilt.“

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Der frühere EnBW-Chef war Anfang Januar an die Spitze von Solar Millennium gewechselt und hatte mit dem Unternehmen große Pläne. Nach Claassens Einschätzung hat nur die Solarthermie das Potenzial an die Stelle der Atomenergie zu treten. Solarthermische Kraftwerke erzeugen aus der in Wärmeenergie umgewandelten Sonnenstrahlung Strom.

Bereits bei Claassens Amtsantritt standen Vorwürfe der Bilanzmanipulation gegen Solar Millennium im Raum. Der hannoversche Manager hat sich dazu in seinen 74 Tagen in Erlangen nicht geäußert. Claassens Anwalt Klaus Menge Seite hatte lediglich „unterschiedliche Standpunkte zu Governance und Unternehmenskultur“ als Gründe für den Rückzug genannt.

Nun will Claassen offenbar seine Zurückhaltung aufgeben. Er habe ein 27-seitiges Dossier „der diesbezüglichen relevanten Abläufe, Vorgänge und Hintergründe“ erstellt. Strafanzeige habe er nicht erstattet, weil ihm „gesicherte Anhaltspunkte über strafbare Handlungen“ nicht vorlägen. Man müsse aber zwischen „strafbar, rechtswidrig und fragwürdig“ unterscheiden, sagte Claassen. Den Vorwurf, er habe dem Unternehmen die Gründe für seinen Rücktritt nicht genannt, wies er zurück. „Niemand im Vorstand oder Aufsichtsrat konnte oder kann von meinem Schritt überrascht sein.“

Solar Millennium bedauerte gestern, dass Claassen den Weg in die Öffentlichkeit gewählt habe. Man hoffe nun darauf, dass der Manager sein „genanntes Dossier dem Vorstand und Aufsichtsrat zur Verfügung stellt“, teilte das Unternehmen mit. Die „relevanten Inhalte“ würden dann von einem unabhängigen Prüfer begutachtet. Das Unternehmen hat bereits die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit einer Sonderprüfung der Bilanzen ab dem Geschäftsjahr 2004/2005 beauftragt, um Zweifel an der Solidität der Abschlüsse ausräumen zu können.

Helmuth Klausing 29.03.2010
Carola Böse-Fischer 26.03.2010