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Niedersachsen Fritz Sennheiser – ein oscarprämierter Audiopionier
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Fritz Sennheiser – ein oscarprämierter Audiopionier
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09:37 19.05.2010
Fritz Sennheiser vor dem Firmensitz des von ihm gegründeten Unternehmens in Wennebostel.
Fritz Sennheiser vor dem Firmensitz des von ihm gegründeten Unternehmens in Wennebostel. Quelle: Archiv
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Hannover. „Glück ist Zufall und Bereitsein“ – ein Sprichwort, das Fritz Sennheiser zeit seines Lebens gern zitierte. Bei ihm habe das jedenfalls beruflich „immer geklappt“, erzählte der hannoversche Audiopionier vor ein paar Jahren, als er bereits auf ein langes Leben zurückblicken konnte und alles erreicht hatte, was man in einem Menschenleben so erreichen kann. Er war stets bereit, eine sich bietende Chance beim Schopf zu packen, und baute so quasi aus dem Nichts den Mikrofon- und Kopfhörerhersteller auf. Er verleiht dem Namen Sennheiser seit Jahrzehnten in aller Welt einen ausgezeichneten Klang.

Am Montagabend nun starb Fritz Sennheiser, nur acht Tage nach seinem 98. Geburtstag. „Seine Begeisterung für die Audiotechnik, seine kreative Neugier, gepaart mit einer heute nur noch selten anzutreffenden Bescheidenheit, Disziplin und einer Herzlichkeit und Großzügigkeit im Umgang mit Menschen, wird allen, die ihn kannten, ein Vorbild bleiben“, heißt es in einem Nachruf des Unternehmens, der gestern verbreitet wurde.

Bis ins hohe Alter nahm Fritz Sennheiser interessiert Anteil am Geschehen in seiner Firma, deren Leitung er 1982 in die Hände seines Sohns Jörg Sennheiser gelegt hatte. Auf seinem Fachgebiet, der Elektroakustik, hat Fritz Sennheiser mit den von ihm entwickelten Mikrofonen und Kopfhörern bleibende Spuren hinterlassen. Vor zwei Jahren nahm ihn die US-Industrie für Unterhaltungselektronik in ihre ewige „Ruhmeshalle“ auf. Dort hat der sein Name einen Platz gefunden neben anderen Größen wie Alexander Graham Bell, Heinrich Hertz oder Emil Berliner, dem Erfinder der Schallplatte.

Diese Auszeichnung und zahllose weitere – darunter ein „Oscar“ der US-Filmindustrie – dokumentieren die Bedeutung, die Fritz Sennheiser in seiner Branche genießt. Ob Richtrohr- oder drahtloses Mikrofon, oft genug waren es die Erfindungen des Hauses Sennheiser, die moderne Unterhaltung auf Bühnen, im Film oder Fernsehen erst ermöglicht haben.

Seine „kreative Unzufriedenheit“ habe ihn immer nach vorn getrieben. „Ich wollte immer noch etwas Besseres erreichen“, sagte Sennheiser. „Das war mein Antrieb.“ Selbst im hohen Alter standen Besucher zwar einem gebeugten Mann mit Krückstock gegenüber, doch seine Augen waren nicht die eines Greises. Sie zeigten noch immer dieselbe Neugier und das gleiche Interesse, das Fritz Sennheiser zu den Erfolgen seiner unternehmerischen Laufbahn geführt hatte.

Dabei wollte er ursprünglich Gartenarchitekt werden. Doch die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren kam dazwischen. „Wer lässt sich jetzt noch Gärten anlegen?“, habe er sich gedacht und sich dann für seine „zweite Liebe“ entschieden, die Elektrotechnik. Während des Studiums entwickelte er mit anderen eine elektronische Orgel für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Zwei Jahre später folgte er seinem Chef nach Hannover. So kam der gebürtige Berliner von der Spree an die Leine. Gleich nach dem Krieg wagte Sennheiser dann den Schritt zum selbstständigen Unternehmer.

Zuletzt konnte er nicht nur zufrieden auf das weltumspannende Unternehmen Sennheiser blicken, sondern auch auf eine Familie gleichen Namens mit zwei Kindern, drei Enkeln und fünf Urenkeln. Familienfeiern genoss Fritz Sennheiser besonders. Im Alter fand er mit der Orchideenzucht auch zu seiner Gartenleidenschaft zurück. Gefragt nach seinem Rezept für ein langes Leben hatte Sennheiser zwei Ratschläge: nicht rauchen und diszipliniert leben.

Sein wacher Geist blieb Fritz Sennheiser bis zuletzt erhalten. Umso schwerer fiel es ihm aber, dem altersbedingten Verfall seines Körpers tatenlos ausgeliefert zu sein. Die meisten Freunde hatte er ohnehin längst überlebt. Als im Februar 2009 im 89 Lebensjahr auch seine Frau Hertha starb, mit der er an die 70 Jahre lang zusammengelebt hatte, da habe ihn wohl der Lebensmut verlassen, sagen Menschen, die ihn kannten. Und mancher glaubt, dass Fritz Sennheiser deshalb auch am späten Montagabend bereit war, als sein erfülltes Leben endete.

Helmuth Klausing