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Niedersachsen Gewinneinbruch bei der Nord/LB
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Gewinneinbruch bei der Nord/LB
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20:55 29.08.2012
Von Dirk Stelzl
Zentrale der Nord/LB in Hannover: Der Ergebnisrückgang traf die Landesbank nicht unerwartet. Quelle: dpa
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Hannover

Die Norddeutsche Landesbank hat im ersten Halbjahr ihre Risikovorsorge im Kreditgeschäft stark aufgestockt. Die Folge ist ein Ergebniseinbruch: Der Gewinn sank gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von fast 200 auf 67 Millionen Euro, wie das Geldinstitut am Mittwoch mitteilte. Im ersten Quartal hatte die Bank noch einen kräftigen Gewinnanstieg erzielt.

„Wir sind operativ weiterhin sehr gut im Geschäft, lassen angesichts der abnehmenden wirtschaftlichen Dynamik sowie der anhaltenden Schiffskrise aber auch Vorsicht walten“, sagte Nord/LB-Chef Gunter Dunkel. So wurde die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle mehr als vervierfacht auf 146 Millionen Euro. Dies betrifft nach Angaben eines Nord/LB-Sprechers vor allem das Geschäft mit Schiffsfinanzierungen, aber etwa auch das Immobiliengeschäft. Viele Reedereien leiden unter einem harten Wettbewerb sowie hohen Treibstoffkosten und haben Mühe, Kredite zurückzuzahlen.

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Dank einer „vorsichtigen Risikopolitik“ und einer guten Kundenstruktur habe die Nord/LB in diesem Geschäftsbereich dennoch schwarze Zahlen geschrieben, erklärte Dunkel. Anders als die Commerzbank will sie sich aus dem Segment nicht zurückziehen: „Die Schiffsfinanzierung wird auch zukünftig ein Kerngeschäftsfeld der Nord/LB bleiben.“

Belastet wurde das Ergebnis der Landesbank überdies durch Bewertungsverluste bei bestimmten Wertpapieren, mit denen sich das Institut gegen Währungsschwankungen absichert. Wegen des geplanten Stellenabbaus bildete es zudem Rückstellungen in Höhe von 25 Millionen Euro für Vereinbarungen zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitern. In den kommenden Jahren will das Institut zwischen 450 und 650 Arbeitsplätze einsparen. Der Verwaltungsaufwand blieb in den ersten sechs Monaten 2012 mit 554 Millionen Euro nahezu stabil.

Das Ergebnis vor Steuern verringerte sich von 273 auf 131 Millionen Euro. Den Gewinnrückgang habe die Landesbank erwartet, sagte Dunkel. „Angesichts der Turbulenzen in den Märkten können wir mit den Zahlen zufrieden sein.“ Außerdem habe man im Vorjahr auch von einigen Sondereffekten profitiert. Das Geschäftsmodell der Nord/LB sei robust genug, um auch in schwierigen Zeiten ein „ordentliches Ergebnis“ zu erwirtschaften. Der Zinsüberschuss verbesserte sich um 14 Prozent auf 973 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr erwartet die Nord/LB weiterhin ein gutes Ergebnis. Der Gewinn werde allerdings aller Voraussicht nach geringer ausfallen als im Vorjahr, in dem die Bank „außergewöhnlich gut“ abgeschnitten hatte. Im vergangenen Jahr hatte die Nord/LB unter dem Strich 536 Millionen Euro verdient – so viel wie keine andere Landesbank.

Vor Kurzem hat die Nord/LB die Genehmigung der EU für ihr Programm zur Stärkung des Kapitals erhalten. Das zusätzliche Kapital stammt besonders von der öffentlichen Hand. Im Gegenzug muss die Landesbank sparen und etwas schrumpfen. Auch sollen ihre Träger in den nächsten beiden Jahren zunächst auf eine Dividende verzichten. Gewinne können aber auf ein „Reservekonto“ vorgetragen werden. Nach derzeitiger Einschätzung wäre die Bank theoretisch in der Lage, für das Geschäftsjahr 2012 eine Dividende auszuschütten, hieß es. Die Kernkapitalquote ist gegenüber Ende 2011 um einen Prozentpunkt auf 10,4 Prozent gestiegen.