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Niedersachsen Traditionsmarke Bree ist insolvent
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Traditionsmarke Bree ist insolvent
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00:20 19.05.2019
Bree-Filiale in der Luisenstraße in Hannover. Der Betrieb in den Läden soll weiterlaufen. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Der Taschenhersteller Bree ist insolvent. „Trotz intensiver Bemühungen und einer kompletten Neuaufstellung“ sei es nicht gelungen, „das Geschäft in die schwarzen Zahlen zurückzuführen“, teilte das Unternehmen, das rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, mit. Es hat beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Betrieb in den rund 30 eigenen Filialen laufe vorerst weiter, hieß es. Man hoffe auf den Einstieg eines finanzstarken Investors.

Erst im vergangenen Jahr hatte Bree die Firmenzentrale von Isernhagen nach Hamburg verlagert, die Kollektion verjüngt und die Zahl der Mitarbeiter deutlich verringert. Die Marke wollte ihre Filialen modernisieren und über einen neuen Onlineshop die Umsätze nach oben treiben.

Das stationäre Geschäft sei „zufriedenstellend gelaufen“, erklärte Bree. Über das Internet habe die Firma jedoch nur 5 Prozent ihrer Waren verkauft. Dies sei selbst für eine erfolgreiche Traditionsmarke zu wenig. Andere Taschenhersteller erzielten bereits 20 Prozent ihres Umsatzes im Onlinegeschäft. Bree benötige nun „einen starken, international erfolgreichen Investor“ aus der Branche, erklärte Bree. Diesen will die Geschäftsleitung gemeinsam mit dem vom Amtsgericht Hamburg ernannten Sachverwalter rasch finden.

Schon länger Schwierigkeiten

Derzeit ist Bree dem Vernehmen nach im Besitz einer Familie aus Norddeutschland, die nicht öffentlich in Erscheinung treten möchte. Mit Axel Bree hatte sich der letzte Namensgeber Anfang vergangenen Jahres aus der Firma zurückgezogen. Seither hat sich der Unternehmensberater Stefan Treiber an der Sanierung versucht. Bree steckt schon länger in Schwierigkeiten. Laut den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen schrieb das Unternehmen seit 2010 in jedem Jahr rote Zahlen.

Der Designer Wolf Peter Bree hatte die Marke im Jahr 1970 in Hannover gegründet. Seine braunen Ledertaschen wurden zu Kultobjekten: Sie galten als unverwüstlich und zeitlos – und waren vor allem bei Studenten, Dozenten und Lehrern beliebt.

Als der Gründer 1996 mit nur 51 Jahren an einem Herzinfarkt starb, stiegen seine Söhne Philipp und Axel ein. Ersterer schied 2012 aus und gründete mit dem Label „PB 0110“ eine eigene Taschenmarke im eher hochpreisigen Segment. Zwei Jahre später übernahmen familienfremde Investoren die Mehrheit. Axel Bree blieb zunächst als Geschäftsführer und Minderheitsgesellschafter an Bord – Ende 2017 verkaufte er seinen verbliebenen Anteil von 20 Prozent.

Bree-Taschen gelten als hochwertig und langlebig. Quelle: Samantha Franson

Differenzen mit Mehrheitseigentümern?

Dies lag offenbar auch an Differenzen mit dem Mehrheitseigentümer. Man habe sich nicht „auf eine tragfähige Strategie für eine erfolgreiche Zukunft einigen“ können, sagte Axel Bree am Donnerstag. Ein Taschenhersteller brauche „nicht unbedingt teure eigene Shops, sondern smarte Shop-in-Shop-Verkaufsflächen in frequenzstarken Toplagen, starke Fachhandelspartner, eine klare Digitalstrategie und eine straffe Markenführung“. Bree müsse als Marke erkennbar sein.

Der Sohn des Firmengründers ist bereit, sich wieder für das Unternehmen zu engagieren. „Natürlich schlägt mein Herz noch immer für diese Marke“, sagte Bree. Mitarbeiter und Partner der Firma hätten es nicht verdient, durch eine Insolvenz vom Markt zu verschwinden. Die Marke stehe für echte Nachhaltigkeit: „Eine Bree-Tasche kann man auch in zehn Jahren noch tragen.“

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Von Jens Heitmann

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