Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Deutschlands Rückstand bei KI macht Experten nervös
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Deutschlands Rückstand bei KI macht Experten nervös
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 04.04.2019
Lautsprecher mit virtuellem Assistenten von Google: Bei KI-Anwendungen haben US-Konzerne die deutsche Konkurrenz abgehängt. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Auf der Hannover Messe feiert die deutsche Industrie traditionell ihre Exportstärke und ihren Erfindungsreichtum. Doch zum Auftakt überwiegen in diesem Jahr skeptische Stimmen: „Deutschland verliert bei Künstlicher Intelligenz (KI) den Anschluss“, warnte der Ingenieursverein VDI am Montag auf seiner Pressekonferenz in Hannover. Der Elektrotechnikverband VDE setzte denselben Schwerpunkt: Die Bundesrepublik hinke den führenden KI-Nationen China und USA hinterher. Am Vortag hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Gefahr gesprochen, bei der datengetriebenen Wirtschaft den Anschluss zu verpassen.

VDI und VDE belegten ihre Aussagen mit Umfragen unter ihren Mitgliedern. Deutsche Ingenieure und Unternehmen glauben demnach, dass sie bei KI nicht ansatzweise mit Chinesen und Amerikanern mithalten können. Im Vergleich zum Vorjahr sind die VDI-Mitglieder noch pessimistischer geworden: Nur noch 14 Prozent sehen Deutschland in einer „führenden Rolle“, nach 30 Prozent zuvor. Studien zur Zahl der KI-Patente bestätigen diese Wahrnehmung: US-Konzerne dominieren demnach in der Praxis, China ist vor allem in der Forschung stark, europäische Firmen und Universitäten sind abgeschlagen.

KI sei eine „Schlüsseltechnologie“, betonte VDI-Präsident Volker Kefer am Montag. Sie bilde die Basis für Technik in vielen Bereichen – vom autonomen Fahren über das „Smart Home“ bis hin zur industriellen Produktion. „Es wäre fahrlässig, bei KI weiter an Boden zu verlieren.“

Von KI-Strategie enttäuscht

VDI und VDE forderten die Bundesregierung auf, mehr in das Forschungsfeld zu investieren. Die im Herbst vom Kabinett vorgestellte KI-Strategie sei „gelinde gesagt etwas enttäuschend“, sagte Kefer. Der Bund habe drei Milliarden Euro versprochen, stelle davon jedoch nur 500 Millionen als „frisches Geld“ bereit. Der Rest müsse aus vorhandenen Töpfen umgewidmet werden. „Wir wissen immer noch nicht, wie hoch die Fördermittel tatsächlich sein werden und vor allem, wohin sie konkret fließen sollen.“

Aus VDI-Sicht soll die Politik vor allem die „digitale Bildung“ stärken, also zum Beispiel mehr Informatik-Professuren einrichten. Gleichzeitig müssten die Methoden der KI in die Ausbildung von Maschinenbauern und Elektrotechnikern integriert werden – so wie bislang Mathematik und Physik.

Als kleinen Lichtblick bezeichnete Kefer die Tatsache, dass die Zahl der Informatikstudenten in Deutschland von 2017 bis 2018 um 10.000 auf knapp 220.000 gestiegen ist. „Für eine echte Entspannung bei der Nachfrage nach Digitalisierungsexperten reicht das allerdings nicht aus.“ Zurzeit gebe es über 120.000 offene Stellen für Ingenieure und Informatiker.

VDE-Chef Ansgar Hinz äußerte sich ähnlich: Im internationalen Vergleich seien die deutschen KI-Investitionen nur „Spurenelemente“. Es fehlten aber nicht nur Studenten und Experten, auch übertriebener Datenschutz bremse die Entwicklung. „Die Marke Made in Germany verblasst“, warnte er.

Immerhin: Am Vortag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Hannover angedeutet, dass sie über größere Investitionen nachdenkt. Die Technik entwickle sich so schnell weiter, dass „eine KI-Strategie von gestern morgen schon nicht mehr ausreichend sein kann“, sagte sie bei der Eröffnungsfeier.

Kommentar: Ein Mindestmaß an Unabhängigkeit

Von Christian Wölbert

Die Haushalte leiden unter hohen Strompreisen – für Investoren sind sie aber noch nicht hoch genug, um in neue Kraftwerke zu investieren. Der Branchenverband BDEW fordert deshalb eine Entlastung.

01.04.2019

Mit dem traditionellen Messerundgang hat die Hannover Messe am Montagmorgen offiziell begonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte dabei keine Scheu vor den zahlreichen Robotern.

01.04.2019

Kanzlerin Merkel verlangt bei der Eröffnung der Hannover Messe „europäische Antworten“ auf die Handelspolitik in den USA und China. Schon vor der Veranstaltung lieferten sich Wirtschaftsminister Altmaier und BDI-Präsident Kempf einen verbalen Schlagabtausch über die Förderung der Batteriezellenproduktion.

01.04.2019