Hannover Messe: Industrie ist optimistisch für 2021
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Niedersachsen Eröffnung der Hannover Messe: Industrie plant bereits für die Zeit nach der Pandemie
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Hannover Messe: Industrie ist optimistisch für 2021

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21:12 12.04.2021
Messe-Chef Jochen Köckler und Angela Merkel haben am Montag Aussteller und Besucher der digitalen Hannover Messe begrüßt.
Messe-Chef Jochen Köckler und Angela Merkel haben am Montag Aussteller und Besucher der digitalen Hannover Messe begrüßt. Quelle: Julian Stratenschulte
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Während sich die Industrie bereits auf ein Ende der Coronakrise einstellt, mahnt die Bundesregierung die Bevölkerung zu mehr Geduld. „Die Pandemie verlangt noch ein wenig Verzicht von uns“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag bei der Eröffnung der Hannover Messe, die in diesem Jahr nur digital stattfindet. Bis genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, seien umfangreiche Tests auf den Covid-Erreger die wirksamste Methode, um die Verbreitung des Virus einzudämmen: „Die Infektionszahlen sind noch viel zu hoch.“

Unterdessen macht sich in der Wirtschaft Optimismus breit. „Für die Industrieproduktion erwarten wir ein kräftiges Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm. Der Aufschwung beruhe zum einen auf einem deutlichen Anstieg der Aufträge, zum anderen helfe der Konjunktur „der Faktor Psychologie“: Die meisten Firmen rechneten nach dem Beginn der Impfungen mit einem absehbaren Ende der Pandemie. Mithilfe von Haus- und Betriebsärzten müsse das Tempo aber noch zulegen. „Das Gebot der Stunde muss lauten: Impfen, impfen, impfen“, sagte Russwurm. Statt „Priorisierungs-Bürokratie“ müsse Pragmatismus walten.

Probelauf fürs „Hybridmodell“: So läuft die digitale Hannover Messe

Die Hannover Messe als normalerweise größte Industrieschau der Welt läuft in diesem Jahr wegen der Corona-Krise als reines Digitalformat. Mit Online-Präsentationen, Livestreams der Aussteller, zahlreichen Videokonferenzen und einem neuen Vernetzungs-Tool sollen so auch die Grundlagen für ein „Hybridmodell“ in der Zeit nach der Pandemie gelegt werden.

Thematisch geht es in diesem Jahr um Technologien zur Vernetzung und Automatisierung in Produktion und Logistik („Industrie 4.0“). Dabei sollen besonders Beiträge für mehr Energieeffizienz - und damit weniger Belastung für das Klima - gezeigt werden. Außerdem gibt es wirtschaftspolitische Runden, Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Für Freitag ist der Karrierekongress „Women Power“ geplant.

Die Erfahrungen mit dem neuen Messeformat sollen in künftige Veranstaltungen einfließen. Messechef Jochen Köckler ging zuletzt davon aus, dass es im weiteren Jahresverlauf wieder Präsenzmessen gebe könnte - einige davon würden dann wohl als Mischform aus klassischer Messe und Austausch über das Netz laufen. Dies dürfte jedoch vor allem von der weiteren Corona-Entwicklung abhängen. (dpa)

Industrieverband BDI setzt auf den Export

BDI-Präsident Siegfried Russwurm zeigt sich zuversichtlich auf der Hannover Messe. Quelle: Julian Stratenschulte

Wegen des anhaltenden Lockdowns hat der BDI seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts aber nach unten korrigiert – der Verband rechnet nun mit einem Zuwachs von 3 Prozent für 2021, das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zu Beginn des Jahres. Damit aus dieser Prognose Wirklichkeit werde, sei ein „weitgehendes Zurückfahren pandemiebedingter Einschränkungen bis zum frühen Herbst“ nötig, sagte Russwurm. Zudem dürfe es keine weiteren Auflagen für das produzierende Gewerbe geben.

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Für die Industrie gelten diese Einschränkungen nicht: „Für die Ausrüstungsinvestitionen unserer Unternehmen – in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge – erwarten wir ein deutliches Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagte Russwurm. Diese Investitionen waren 2020 um 12 Prozent eingebrochen. Auch auf dem Export ruhen große Hoffnungen: Die Ausfuhren der Industrie werden laut BDI um 8,5 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr, bisher hatte der Verband mit einem Plus von 6 Prozent kalkuliert. Im vergangenen Jahr waren die Exporte um 9,3 Prozent gesunken. „Der Außenhandel wird zum zentralen Wachstumshebel – vor allem mit den Konjunktur-Lokomotiven USA und China“, sagte Russwurm.

Coronakrise trifft Partnerland Indonesien weniger stark

Auch der Auftritt des Partnerlandes bei der Hannover Messe fällt in diesem Jahr etwas kleiner aus, als das bei einer Präsenzveranstaltung üblich wäre: Indonesiens Präsident Joko Widodo musste sich bei der Eröffnung auf eine kurze Grußbotschaft beschränken – sonst hätte er aus diesem Anlass einen Rundgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel durch verschiedene Messehallen unternommen. So könne er der Industrieschau nur von fern einen guten Verlauf wünschen, sagte der aus Jakarta zugeschaltete Präsident am Montag. Aus Indonesien sind in diesem Jahr 155 Aussteller digital präsent. Das Land mit seinen rund 260 Millionen Einwohnern hat auch unter der Corona-Krise gelitten, aber nicht so stark wie andere Staaten.

Maschinen- und Anlagenbau hält Personal an Bord

Wie sich die Stimmung in den Unternehmen aufhellt, zeigt auch eine aktuelle Umfrage unter den Maschinen- und Anlagenbauern: Zwar klagt noch etwa jedes vierte Unternehmen aus der Branche über Behinderungen in der Produktion durch Engpässe bei Lieferanten, die große Mehrheit aber muss sich inzwischen nicht mehr um Auftragseinbußen oder gar Stornierungen sorgen. „Die Unternehmen zeigen auch in dieser Krise eine bemerkenswerte Widerstandskraft und nutzen ihre Marktchancen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Karl Haeusgen. Der Verband rechnet für das laufende Jahr mit einem Zuwachs der Produktion um 7 Prozent.

Möglich sei das auch, weil die meisten Betriebe ihre Beschäftigten an Bord gehalten hätten, sagte Haeusgen: „Die Unternehmen wissen, dass sie ihre Fachkräfte im Aufschwung sowie für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben dringend benötigen.“ Viele Stellen habe die Branche mithilfe von Kurzarbeit sichern können. Im März sei die Zahl der Kurzarbeiter im Maschinen- und Anlagenbau auf rund 90.000 Personen gesunken – insgesamt beschäftigt die Branche in hierzulande derzeit rund eine Million Menschen in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten, ein Minus von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Von Jens Heitmann