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Niedersachsen Höft & Wessel will durchstarten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Höft & Wessel will durchstarten
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08:45 12.11.2013
Von Jens Heitmann
Foto: Der neue Mehrheitsaktionär Walter Droege (links) fordert von Höft-&-Wessel-Chef Rudolf Spiller hohes Tempo beim Umbau des Unternehmens.
Der neue Mehrheitsaktionär Walter Droege (links) fordert von Höft-&-Wessel-Chef Rudolf Spiller hohes Tempo beim Umbau des Unternehmens. Quelle: Thomas
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Hannover

Mithilfe seines neuen Mehrheitsaktionärs Droege will die knapp der Pleite entgangene Höft & Wessel AG auf Wachstumskurs gehen. „Wir stehen jetzt am Wendepunkt“, sagte Vorstandschef Rudolf Spiller am Montag in Hannover. Das Unternehmen stehe jetzt wieder stabil da und habe eine „hervorragende Ausgangsposition“. Im laufenden Jahr strebt man operativ schwarze Zahlen an – danach ist ein steiler Aufstieg geplant: Mittelfristig solle sich der Umsatz auf 300 Millionen Euro fast vervierfachen, sagte Walter Droege, Vorstand und Gründer der Droege International Group AG.

Durch den Einstieg des Düsseldorfer Investors vor einem Monat hatte sich Höft & Wessel vom Großteil seiner existenzgefährdenden Schuldenlast befreit: Die Verbindlichkeiten sanken dadurch von knapp 24 Millionen Euro auf unter 9 Millionen Euro. Die Rettungsversuche für das Unternehmen hatten sich zuvor über mehrere Monate hingezogen – am Ende stimmten die Aktionäre einem Kapitalschnitt zu, während die Banken auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichteten. Im Zuge dieses Pokers schieden die Namensgeber Michael Höft und Rolf Wessel aus dem Unternehmen aus, Droege sicherte sich im Zuge einer Kapitalerhöhung für 8,5 Millionen Euro knapp 73 Prozent der Anteile.

Reisende kennen Höft & Wessel von den Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen der Deutschen Bahn oder der hannoverschen Üstra; darüber hinaus beliefert das Unternehmen den Handel mit Geräten zur mobilen Datenerfassung – die britische Tochter Metric entwickelt Parkscheinautomaten. Diese Produkte wolle man auch künftig anbieten, sagte Vorstandschef Spiller. „Wir wollen unser Geschäft aber zu einem Betreibermodell für Lösungen ausbauen.“ Mit anderen Worten: Höft & Wessel will dafür sorgen, dass Reisende mit einem Ticket von einem Ort zum anderen kommen, und sich für diese Dienstleistung bezahle n lassen – der Betrieb von Fahrscheinautomaten zähle nicht zum Kerngeschäft von Verkehrsunternehmen, sagte Spiller.

Noch erwirtschaftet Höft & Wessel etwa die Hälfte seines Umsatzes in Deutschland – künftig soll der Auslandsanteil deutlich steigen. Großes Potenzial gebe es in Afrika, China und den USA, hieß es. Aus Sicht des neuen Mehrheitsgesellschafters hat Höft & Wessel hier großen Nachholbedarf – die Hannoveraner könnten sich allerdings der Unterstützung aus Düsseldorf gewiss sein, sagte Droege. Man verfüge über ein engmaschiges internationales Netzwerk – „und Kontakte sind oft schon die halbe Miete“.
In der Zentrale von Höft & Wessel muss man sich ohnehin darauf einstellen, dass Droege künftig die Marschroute vorgibt. Der aus einer Unternehmensberatung hervorgegangene Beteiligungskonzern mit einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro und 5000 Mitarbeitern erwarte von seiner hannoverschen Neuerwerbung eine operative Umsatzrendite von 10 Prozent und die Zahlung einer Dividende, sagte Droege. „Wir wollen das Geschäft ganz eng begleiten.“ Es gebe keine Pläne, Höft & Wessel von der Börse zu nehmen – bei der Expansion könne so ein Zugang zum Kapitalmarkt hilfreich sein. Gemeint ist offenbar die Finanzierung von Übernahmen.
Vorerst soll Höft & Wessel aber aus eigener Kraft wachsen. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen insgesamt 420 Mitarbeiter – 170 davon bei der Metric – und ist nach dem Stellenabbau in den vergangenen Monaten wieder auf der Suche nach Spezialisten. Damit tue man sich leichter als gedacht, sagte Spiller. Das Unternehmen habe in der Branche immer noch einen guten Namen.

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