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Niedersachsen Hunderte demonstrieren bei Offshore-Konferenz
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Hunderte demonstrieren bei Offshore-Konferenz
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18:07 08.01.2013
Von Margit Kautenburger
Mit Plakaten und Fahnen haben sich während einer Protestaktion rund 700 Beschäftigte der kriselnden Offshore-Industrie in Hannover versammelt. Quelle: dpa
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Hannover

Größer können die Gegensätze kaum sein: Draußen vor dem Congress Centrum Hannover protestieren Hunderte Beschäftigte der Offshore-Industrie lautstark für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Drinnen verbreiten Bundes- und Landespolitiker auf einer Konferenz des Bundeswirtschaftsministeriums zu diesem Thema ungebrochenen Optimismus. Er sei zuversichtlich, dass die Hemmnisse beim Bau der Windparks auf hoher See bald überwunden seien, verkündete der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU). Die Offshore-Technik werde künftig eine große Rolle spielen.

Den Werftarbeitern von SIAG, in Emden, Sietas in Hamburg oder P+S in Stralsund und Wolgast reichen solche Versprechungen nicht mehr. Sie erwarten, dass die Politik endlich handelt. Der Start in die Energiewende sei verpatzt, die Situation desaströs, kritisierte der Chef der IG Metall im Bezirk Küste, Meinhard Geiken gestern auf der Kundgebung in Hannover. Tausende Arbeitsplätze bei Werften und Zulieferern stünden auf der Kippe, weil der Bau von Windparks auf Nord- und Ostsee ins Stocken geraten sei. Mehr als ein Jahr nach dem Atomausstieg gebe es keine plausible Strategie für die Umsetzung der Energiewende. „Das Planungschaos verzögert notwendige Investitionen“, sagte Geiken.

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Die Branche leidet darunter, dass immer mehr Energieversorger ihre Pläne für Offshore-Windparks aufgeben. Denn bislang ist völlig unklar, ob sich die Milliardeninvestitionen rechnen, weil die Netzanschlüsse für die Anlagen fehlen. „Wir fallen in ein großes Loch“, sagte der IG-Metall-Experte für Erneuerbare Energien Heino Bade. Unternehmen wie die SIAG-Werft in Emden oder die SIETAS-Werft  in Hamburg, stünden vor der Insolvenz. Wenn das so weiter gehe, werde die Energiewende in 20 Jahren mit Anlagen und Plattformen aus Südostasien bestritten, befürchtet Bade. Die heimische Industrie hingegen sei kaputt.

Die Beschäftigten fühlen sich auch von der Landesregierung im Stich gelassen. Es habe mehrere Gespräche mit Ministerpräsident McAllister zur Rettung von der SIAG-Werft gegeben. Gefruchtet habe das nicht. „Die Landesregierung taucht ab“, rügt Bade. Nicht einmal die Bereitschaft zur Gründung einer Transfergesellschaft sei vorhanden. Dabei dränge die Zeit. „Wenn nicht bald etwas passiert, ist es für viele Betriebe zu spät.“ 

McAllister, der auf der Konferenz nicht konkret auf den Protest vor der Haustür einging, betonte hingegen, wichtige Ziele seien mittlerweile erreicht. „So haben wir uns beispielsweise erfolgreich um die Netzanbindung der Offshore-Windparks gekümmert“, sagte er. Eine Trasse über Norderney sei fertig, eine weitere in Planung. Auch die Haftung bei verspäteten Anschlüssen durch die Netzbetreiber sei „zufriedenstellend geregelt“. Immerhin seien schon 30 Offshore-Projekte genehmigt, berichtete der Ministerpräsident, räumte aber ein, dass es noch ein großes Problem gebe: die unzureichende Kapitalausstattung des Netzbetreibers Tennet.

Die Demonstranten forderten indes mehr Hilfe von der Politik. Die Länder müssten ihre Partialinteressen aufgeben, ebenso wie die beteiligten Ministerien. „Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollte die Energiewende, wie angekündigt, zur Chefsache machen“, forderte Geiken. Nötig seien bessere Rahmenbedingungen für Investoren, mehr Jobsicherheit und mehr Tempo bei der Netzanbindung. Wichtig sei es, Alternativen zum kapitalschwachen Netzbetreiber Tennet zu suchen.

Unterstützung bekommen die Offshore-Beschäftigten von den Reedern. Ralf Nagel, Chef des Verbands deutscher Reeder, warnte vor Jobverlusten, falls der Bau von Windparks auf See nicht beschleunigt werde. Seine Branche sichere als Dienstleister derzeit 1500 Arbeitsplätze im Offshore-Segment.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Lars Ruzic 07.01.2013
Lars Ruzic 07.01.2013