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Niedersachsen IAA Hannover: Daimler regt die Phantasie an
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IAA Hannover: Daimler regt die Phantasie an
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22:18 22.09.2010
Von Stefan Winter
Quelle: dpa
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Zum großen Thema wurden sie erst am Mittwoch: Die italienische „La Repubblica“ berichtete vom angeblichen Interesse Daimlers an der Fiat Industrial – und damit am dazugehörigen Lkw-Hersteller Iveco.

Das Daimler-Dementi überzeugte wenige. „Es finden dazu keine Gespräche mit Fiat statt“, erklärte der Konzern – und über Kooperationen rede in der Branche sowieso jeder mit jedem. Also durfte an den Ständen heftig spekuliert werden. „Was wollen die mit den Iveco-Fabriken?“, fragte ein Manager, ein anderer verwies auf Probleme mit dem Kartellamt. Die sind in Europa unausweichlich, denn sowohl bei schweren als auch bei leichten Nutzfahrzeugen sind Mercedes und Iveco hier stark und machen sich heftig Konkurrenz.

Daimlers Interesse könnte sich allerdings auf eine ganz andere Weltregion richten: Iveco ist fest in China etabliert. Daimler Trucks hat dort zwar gerade ein Gemeinschaftsunternehmen mit Foton gegründet, steht aber noch ganz am Anfang. Iveco bringt dagegen zusammen mit der chinesischen Saic jährlich mehr als 600.000 schwere Lkw an die Kunden. Unter drei Marken bestücken die beiden Partner alle Gewichtsklassen und wollen insgesamt in diesem Jahr 2,6 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Bis 2014 stellte Iveco jüngst eine Steigerung auf 3,3 Millionen in Aussicht.

Von dieser Position können alle anderen europäischen Hersteller nur träumen. Die japanische Daimler-Tochter Fuso spielt nur in der leichten Klasse eine Rolle, MAN startet gerade mit einer Beteiligung an Sinotruck. Alle europäischen Hersteller haben das Problem, dass ihre jahrzehntelang auf Komfort und Hightech gezüchteten Fahrzeuge weder für chinesische Straßen noch für die dortigen Geldbeutel geeignet sind. In einer anderen Weltgegend könnte dagegen Iveco von Daimler profitieren: Die Stuttgarter sind in Südamerika stark, wo die Italiener Nachholbedarf haben.

Gerätselt wird in der Branche dagegen über einen anderen Teil von Fiat Industrial, den Landmaschinenhersteller New Holland. Ob Daimler jetzt Trecker bauen wolle, lästerten die Konkurrenten. So abwegig ist das allerdings gar nicht, denn in der Rezession erwies sich dieser Bereich als sehr krisenfest, und mit dem Unimog ist Daimler schon sehr nah dran.

So wurde am Mittwoch heftig spekuliert, und wie es in dieser Branche üblich ist, bisweilen auf die robuste Art: Der Deal werde noch als „Chrysler II“ in die Daimler-Geschichte eingehen, höhnte ein Konkurrent.

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