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Niedersachsen IG Metall fährt Zehntausende auf
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18:37 15.05.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Auf zum Gefecht: VWN-Beschäftigte starten zum Stöckener Markt in Hannover.
Auf zum Gefecht: VWN-Beschäftigte starten zum Stöckener Markt in Hannover. Quelle: Surrrey
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Hannover

Das Gros der Streikenden stellte dabei Volkswagen, wo derzeit ebenfalls über den Haustarif verhandelt wird. Da bei VW noch die Friedenspflicht gilt, war der Ausstand Wolfsburg, Hannover und Co. „spontan“.

Gut 8500 Beschäftigte fanden sich am Vormittag auf dem Stöckener Markt in Hannover ein. Die eine Hälfte stellten die Mitarbeiter aus 25 Betrieben wie Komatsu-Hanomag, Siemens oder Johnson Controls, die zweite Hälfte kam von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). „Das ist ein überdeutliches Signal an die Arbeitgeber, den Beschäftigten endlich ein würdiges Angebot zu unterbreiten“, sagte IG-Metall-Geschäftsführerin Pia Pachauer. „Ebenso dreist wie sich eure Arbeitgeber verhalten, verhält sich Volkswagen auch“, rief VWN-Betriebsratschef Thomas Zwiebler in die Menge. „Das lassen wir uns gemeinsam nicht bieten.“ Die IG Metall fordert sowohl bei den Flächentarifverhandlungen als auch bei VW 6,5 Prozent mehr Lohn.

Gleich 20.000 Menschen fanden sich in Wolfsburg zu Füßen des VW-Hochhauses ein. IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine forderte die Arbeitgeber auf: „Es wird Zeit, den Eiertanz zu beenden, erarbeiten Sie endlich Möglichkeiten der Konfliktlösung.“ VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ergänzte: „Volkswagen verdient Milliarden. Und für die Belegschaft, meine Herren des Vorstands, haben sie noch nicht mal ein Angebot übrig.“ In Osnabrück stellte sich DGB-Chef Michael Sommer demonstrativ an die Seite der Metaller. „Wir haben das Land nicht aus der Krise geführt, um uns jetzt mit Almosen abspeisen zu lassen“, sagte Sommer bei einer Kundgebung vor rund 2000 Demonstranten am Hauptbahnhof.

Derweil war bei den entscheidenden Verhandlungen in Sindelfingen bis Redaktionsschluss noch keine Annäherung in Sicht. Nach einem gemeinsamen Auftakt zogen sich die Tarifvertragsparteien zu getrennten Beratungen zurück. Wie aus Verhandlungskreisen zu hören war, sind die Differenzen noch groß. Diskussionsgrundlage der fünften Tarifrunde sind Empfehlungen einer gemeinsamen Expertenkommission von Gewerkschaft und Südwestmetall zu den „qualitativen Themen“. Die Gewerkschaft fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche nicht nur 6,5 Prozent mehr Geld, sondern auch die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitbestimmung der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern.

Diese Forderungen hat die Arbeitgeberseite bislang abgelehnt. Sie bietet bislang 3 Prozent mehr Entgelt für 14 Monate. Über ein neues Angebot wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings hatten beide Seiten ihre Spitzenfunktionäre nach Sindelfingen gerufen, was auf eine lange Verhandlungsnacht schließen ließ. Bestehen keine Aussichten auf einen Durchbruch im traditionellen Pilotbezirk, wird die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg am Mittwoch über eine Urabstimmung zum Streik entscheiden. Dieser könnte dann in den Pfingstferien beginnen.

(mit: dpa)

15.05.2012
Lars Ruzic 17.05.2012
14.05.2012