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Niedersachsen Jeder dritte Joblose ist über 50
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Jeder dritte Joblose ist über 50
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20:47 30.05.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Jüngere Arbeitslose haben es bei vergleichbarer Qualifikation meist leichter als ältere, einen Job zu finden.
Jüngere Arbeitslose haben es bei vergleichbarer Qualifikation meist leichter als ältere, einen Job zu finden. Quelle: dpa
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Hannover

Trotz des um sich greifenden Fachkräftemangels schrecken die Unternehmen noch immer vor der Einstellung älterer Arbeitsloser zurück. Ihr Anteil an allen Jobsuchenden sei in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, berichtete die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. Aktuell sind in Niedersachsen fast 80.000 Menschen jenseits der 50 arbeitslos – das entspricht einem Drittel aller Jobsuchenden. Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei 24 Prozent. Ältere müssten sich zudem besonders lange um eine neue Stelle bemühen. Sie seien im Schnitt 50 Wochen arbeitslos – gut 50 Prozent länger als Jobsuchende insgesamt.

„Ich appelliere an die Arbeitgeber, Ältere stärker in den Fokus zu nehmen“, sagte der Chef der Regionaldirektion, Klaus Stietenroth, am Mittwoch in Hannover. Sie seien häufig loyaler und zuverlässiger als junge Bewerber. Gleichwohl bekomme die Arbeitsagentur immer noch zu hören, dass Unternehmen sich im Zweifel für die jüngere Konkurrenz entschieden. Oft scheiterten ältere Bewerber schon im ersten Auswahlschritt, der schriftlichen Bewerbung. Die Arbeitsagentur will dem mit „Speeddatings“ begegnen – also schnellen Vorstellungsrunden, bei denen mehrere Bewerber und Personalverantwortliche durchgetauscht werden. „Da kann man als Älterer wesentlich besser überzeugen“, sagte Geschäftsführer Klaus Oks.

Generell zeige der demografische Wandel bereits seine Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt, so Stietenroth. So müssten sich Ältere, die einen Job haben, kaum noch um Entlassungen sorgen.  Die Beschäftigungsquote liegt bei den über 50-Jährigen heute bei 43 Prozent, 2005 waren es noch rund 37 Prozent. Auch ist die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe rückläufig und liegt derzeit bei 6,8 Prozent. „Allerdings ist es für diejenigen, die schon raus sind, umso schwerer, wieder reinzukommen“, umschrieb es der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Umbau der Bezirke

Zum 1. Oktober werden die Arbeitsagentur-Bezirke neu zugeschnitten. Durch Fusionen sollen aus bislang 20 dann 15 regionale Agenturen entstehen. Grundsätzlich solle ein Landkreis nur noch einen Ansprechpartner haben. Für die „Kunden“ der Ämter ändere sich nichts, die Geschäftsstellen blieben erhalten. Fusionieren sollen Braunschweig und Goslar, Nienburg und Verden, Oldenburg und Wilhelmshaven, Emden und Leer sowie Lüneburg und Uelzen. Die hannoversche Agentur betreut künftig die komplette Region Hannover. Der Umbau werde auch Stellenstreichungen mit sich bringen, so Stietenroth. Die seien aber noch nicht zu beziffern und erfolgten zudem sozialverträglich.

Stefan Winter 30.05.2012
Dirk Stelzl 29.05.2012
29.05.2012