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Niedersachsen Jörg Sennheiser zieht sich zurück
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21:32 09.12.2014
Von Lars Ruzic
Familienbande: Jörg Sennheiser zwischen seinen Söhnen Daniel und Andreas.Surrey Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die Dinge (zu) lange hinauszuzögern war noch nie die Sache von Jörg Sennheiser. Der Sohn des Firmengründers war 38, als er die Führung des Unternehmens übernahm. Schon mit 51 verabschiedete er sich an die Spitze des Aufsichtsrats. Und nun, im Alter von 70 Jahren, zieht er auch hier einen Schlussstrich. „Ich habe Sennheiser immer mit dem Ziel geführt, der nächsten Generation eine kerngesunde Firma ohne Altlasten zu übergeben“, sagte er gestern. Das Ziel sieht er nun offenbar erreicht, zum Jahreswechsel legt der „Senior“ den Aufsichtsratsvorsitz nieder.

Das Kontrollgremium wird künftig zum ersten Mal in der fast 70-jährigen Firmengeschichte von einem familienfremden Manager geführt - dem Chef des Mainzer Glaskonzerns Schott, Frank Heinricht. Auf dessen technische Expertise und seine Erfahrung im Management großer Familienunternehmen setzt Sennheiser seit fünf Jahren. So lange sitzt Heinricht schon in dem Gremium.

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Das dürfte Jörg Sennheiser den Abschied erleichtert haben - vor allem aber die Tatsache, dass seine beiden Söhne Andreas (40) und Daniel (41) sich nach anderthalb Jahren in operativer Führungsverantwortung bewährt haben. Damit ist der 1945 von Fritz Sennheiser in Wennebostel gegründete Spezialist für Kopfhörer und Mikrofone nun komplett in Händen der dritten Generation, jedenfalls was das Management angeht. Denn als Gesellschafter bleiben Sennheiser senior und seine Schwester Karin dem Konzern verbunden.

Dass Sennheiser trotz seiner mehr als 2500 Beschäftigten und 590 Millionen Euro Umsatz ein Familienunternehmen bleibt, ist dem scheidenden Aufsichtsratschef wichtig. „Die Familie will ohne den Einfluss Dritter ihre Strategie weiterverfolgen“, sagte er. Dabei habe man immer technische Innovationen und erstklassige Qualität im Blick. Die Tugenden des deutschen Ingenieurs hält der Elektrotechniker hoch, der einst an er ETH Zürich „Über den Einfluss endlicher Dimensionen auf die Schallabstrahlung dünner Platten unterhalb der Grenzfrequenz“ promovierte.

Dass seine Kundschaft gerade bei den Kopfhörern zuletzt weniger auf akustische Brillanz, sondern eher auf modische Passform achtete, machte nicht nur dem Unternehmen, sondern auch dessen Patriarchen zu schaffen. Schon oft hat er darüber sinniert, das Kopfhörer-Massengeschäft abzustoßen und sich auf akustische Hochtechnologie zu spezialisieren. Letzterer kann der Unternehmer, der schon lange auf der Schweizer Seite des Bodensees lebt, nun noch als Privatier frönen: Im nächsten Jahr will er die Akustik des Kuppelsaals im Hannover Congress Centrum endlich auf Vordermann bringen.

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