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Niedersachsen Endgültige Entscheidung: Nexans schließt sein Werk in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Endgültige Entscheidung: Nexans schließt sein Werk in Hannover
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00:16 16.03.2019
Vergeblicher Protest: Auch am Mittwoch demonstrierten Nexans-Mitarbeiter noch einmal für den Erhalt des Standorts Hannover.
Vergeblicher Protest: Auch am Mittwoch demonstrierten Nexans-Mitarbeiter noch einmal für den Erhalt des Standorts Hannover. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Nun steht es fest: Der französische Kabelhersteller Nexans schließt sein traditionsreiches Werk mit 500 Mitarbeitern in Hannover. Der Aufsichtsrat habe die Entscheidung mit den Stimmen der Arbeitgeberseite bestätigt, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Ende Januar hatte das Gremium die Entscheidung noch vertagt und damit Hoffnung bei den Beschäftigten geweckt. Doch nun ist klar, dass der Standort bis Ende des Jahres schließt.

Von den 500 Mitarbeitern können voraussichtlich nur wenige ihre Stelle behalten. Man führe zurzeit Gespräche mit einem anderen Unternehmen über eine neue Gemeinschaftsfirma in Hannover, sagte der Deutschland-Chef von Nexans, Fredrik Sandmark. Rund 30 Angestellte aus dem Bereich Forschung und Entwicklung könnten eventuell zu diesem Joint Venture wechseln.

Weitere 40 Angestellte werde Nexans voraussichtlich an einem neuen, kleinen Standort in Hannover weiterbeschäftigen, sagte Sandmark. Außerdem plane man, ungefähr 30 Mitarbeitern ein Angebot zum Wechsel in die Deutschland-Zentrale nach Mönchengladbach zu machen. Für 400 Mitarbeiter gibt es also kaum Hoffnung. Über die Details des Jobabbaus will das Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern in den nächsten Wochen verhandeln.

Die Nachricht sei für die Beschäftigten extrem bitter, sagte Frank Mannheim, Gewerkschaftssekretär der IG Metall und Arbeitnehmervertreter im Nexans-Aufsichtsrat. Viele der Angestellten arbeiteten seit Jahrzehnten in dem Werk. Sie hätten ein großes Know-how in der Kabelfertigung, dieses sei jedoch bei anderen Arbeitgebern in Hannover kaum gefragt.

Zweistellige Millionenverluste

Ein von den Arbeitnehmervertretern bestelltes Gutachten des Info-Instituts habe ergeben, dass die Standortschließung „betriebswirtschaftlich, industriell und strategisch nicht tragbar ist“, sagte Mannheim. Der Plan von Nexans, Maschinen aus Hannover nach Charleroi zu verlagern, ergebe wenig Sinn. Die Werkshallen an dem belgischen Standort müssten dafür mit hohen Kosten vergrößert werden. Außerdem könne das hannoversche Werk durch bessere Auslastung und optimierte Prozesse noch im Jahr 2019 die Schwelle zur Profitabilität erreichen.

Nexans-Chef Sandmark widersprach. Das Werk schreibe schon seit 2012 rote Zahlen. „Es ist nicht realistisch, das in neun Monaten umzudrehen.“ Die Entscheidung sei für die betroffenen Mitarbeiter „traurig“, aber unvermeidbar. Der Standort habe zuletzt zweistellige Millionenverluste im Jahr gemacht. Diese Verluste könne sich der Konzern nicht mehr leisten.

Die hohen Verluste erklärte Sandmark mit dem schärfer gewordenen Wettbewerb und Verzögerungen beim Bau von Stromtrassen im Rahmen der Energiewende. Außerdem fehlten dem Standort Hannover wichtige Freigaben von großen Stromnetzbetreibern. Diese ließen ihre Kabel nur auf bestimmten, zertifizierten Anlagen fertigen. „Es würde zwei Jahre dauern, diese Freigaben für Hannover zu erhalten.“ Nexans hat aber nicht nur in Hannover Probleme: Die Werksschließung ist Teil eines größeren Sparprogramms.

Fast 120 Jahre Kabelbau

Am Mittwochmorgen hatten die Beschäftigten von Nexans noch einmal für den Erhalt des Standorts demonstriert. Laut der IG Metall nahmen 250 Menschen an der Kundgebung teil, darunter auch die Wirtschaftsdezernentin der Stadt Hannover, Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) und der Bürgermeister Thomas Hermann (SPD).

Das Nexans-Werk Hannover gehört zu den ältesten Industriestandorten der Stadt: Es wurde 1900 von der Hackethal-Draht-Gesellschaft mbH gegründet. Die Nachfolgefirma Kabelmetal Electro, schloss sich 1992 mit der traditionsreichen Firma Kabel Rheydt aus Mönchengladbach zusammen, seit dem Jahr 2000 firmiert das Unternehmen als Nexans Deutschland.

Von Christian Wölbert