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Niedersachsen Kartellamt hakt bei Strom- und Gaspreisen nach
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kartellamt hakt bei Strom- und Gaspreisen nach
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00:20 23.04.2015
Von Jens Heitmann
Unter den jeweils teuersten zehn finden sich auch die Stadtwerke Hannover mit 1098 Euro beim Gas und 890 Euro beim Strom.
Unter den jeweils teuersten zehn finden sich auch die Stadtwerke Hannover mit 1098 Euro beim Gas und 890 Euro beim Strom. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Energiepreise in Niedersachsen klaffen zum Teil weit auseinander. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Gasversorger liegt der Unterschied in der Grundversorgung bei rund 35 Prozent, bei den Stromanbietern beträgt die Differenz in der Spitze 15 Prozent.

Spreizung ist gravierend

Das geht aus einer Erhebung des Landeskartellamts hervor. „Eine solche Spreizung ist ziemlich gravierend“, sagte Behördenchefin Heinke Zinram am Montag der HAZ. Versorger „mit auffälligen Tarifen“ müssten ihre Preispolitik jetzt erläutern. In letzter Konsequenz kann das Kartellamt auch Tarifsenkungen verfügen.

Stadtwerke Braunschweig am teuersten

Die Behörde hat für ihren Vergleich die Strom- und Gaspreise der rund fünf Dutzend Versorger zwischen Emden und Göttingen aus dem März zugrunde gelegt. Aus unterschiedlichen Haushaltsgrößen errechneten die Experten einen jährlichen Durchschnittspreis. Am meisten zahlen die Gaskunden demnach bei den Stadtwerken Braunschweig mit knapp 1194 Euro - deutlich günstiger sind die Stadtwerke Lingen mit knapp 875 Euro. Beim Strom liegt der Essener Energieriese RWE an der Spitze, der auch Teile Niedersachsens beliefert: Hier werden im Schnitt knapp 916 Euro fällig. Bei den Stadtwerken Garbsen sind es hingegen nur 787 Euro.

Untersuchung wird vielleicht noch ausgeweitet

Auf kritische Nachfragen vom Kartellamt müssen sich in den nächsten Wochen zunächst die jeweils zehn teuersten Anbieter einstellen. Es sei denkbar, dass die Behörde ihre Untersuchung noch ausweite, sagte Zinram. Das hänge von dem Ergebnis ab. Zuletzt hatte das Kartellamt die Höhe der Wasserpreise im Land untersucht; in der Folge mussten die Stadtwerke Salzgitter und die Avacon-Tochter Purena in Helmstedt, Bockenem und Algermissen ihre Tarife senken.

Stadtwerke Hannover gehören auch zu den zehn teuersten

Unter den jeweils teuersten zehn finden sich auch die Stadtwerke Hannover mit 1098 Euro beim Gas und 890 Euro beim Strom. Ebenfalls Post vom Kartellamt bekommen die Stadtwerke Nienburg, Peine, Hameln und Hildesheim wegen ihrer Gastarife und die Energiewerke Isernhagen (Strom). Das Kartellamt habe „sehr verschiedenartige Unternehmen“ verglichen, sagte ein Sprecher der Stadtwerke Hannover. So unterscheide sich beispielsweise die Konzessionsabgabe von Ort zu Ort erheblich.

Unter die Tarife der Grundversorgung fällt inzwischen nur noch eine Minderheit der Abnehmer - beim Strom ist es jeder Dritte, bei Gas jeder Vierte. Die Mehrheit der Kunden ist zwar ihrem angestammten Versorger treu geblieben, sie hat aber Sonderverträge mit günstigeren Konditionen abgeschlossen und dafür längere Laufzeiten in Kauf genommen. Mit einem Wechsel des Tarifs lasse sich im Regelfall erheblich Geld sparen, sagte Kartellamtschefin Zinram.

Verbraucher scheuen Wechsel

Auch knapp anderthalb Jahrzehnte nach der Öffnung der Energiemärkte scheuen viele Verbraucher immer noch vor einem Wechsel zurück. Spektakuläre Pleiten wie die von Teldafax hätten das Vertrauen der Kunden zeitweise erschüttert, heißt es in der Branche. Inzwischen sorgen diverse Preisportale im Internet für eine hohe Transparenz bei den Preisen. Verbraucherschützer raten aber dazu, die Angebote genau zu vergleichen: Der Blick auf Boni und Prämien dürfe nicht von den eigentlichen Tarifen ablenken.