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Niedersachsen Kartellamt prüft Fernwärmepreise
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kartellamt prüft Fernwärmepreise
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12:17 17.09.2009
Von Jens Heitmann
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Daher habe das Kartellamt 30 Unternehmen der Branche angeschrieben und um Auskunft über deren Preispolitik gebeten – darunter sind die Stadtwerke Hannover und Braunschweig. Post erhalten auch die Energiekonzerne e.on, EnBW, RWE und Vattenfall.

Bisher hat sich das Kartellamt bei seinen Kontrollen des Energiemarktes auf die Bereiche Strom und Gas beschränkt. Auslöser für die Untersuchung des Fernwärmesektors sei, dass die Anbieter innerhalb ihres Leitungsnetzes meist keine Wettbewerber hätten und die Kunden somit nicht den Anbieter wechseln könnten, sagte die Behördensprecherin: „Diese Situation eröffnet Preissetzungsspielräume, die bei bestehendem Wettbewerb nicht gegeben wären.“

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Unter anderem wollen die Wettbewerbshüter feststellen, welche Anbieter ihre Kunden in den Jahren 2007 und 2008 besonders günstig oder besonders teuer versorgt haben. Ergebe sich ein Verdacht, dass Versorger gegen das Kartellrecht verstoßen haben, könnten Verfahren eingeleitet werden.

Nach Angaben des Kartellamtes werden in Deutschland derzeit rund 5 Millionen Haushalte mit Fernwärme versorgt. Die Wärme, die in Großkraftwerken erzeugt und über Leitungen zum Verbraucher transportiert wird, rangiert bei den Heizmitteln mit einem Anteil von 13 Prozent auf Rang drei hinter Erdgas (48 Prozent) und Heizöl (30 Prozent). Der jährliche Fernwärmeverbrauch privater Haushalte beträgt – je nach Witterung – um die 80 Milliarden Kilowattstunden.

Die Stadtwerke Hannover reagierten gelassen auf die Anfrage des Kartellamtes. „Wir sind uns keinerlei Verfehlungen bewusst“, sagte eine Unternehmenssprecherin gestern. Ähnlich wie die Gastarife seien auch die Konditionen der Fernwärme an die Preisentwicklung der anderer Energieträger geknüpft. Während die Gastarife – in der Regel mit einem Abstand von sechs Monaten – ausschließlich das Auf und Ab an den internationalen Rohölmärkten widerspiegelten, kämen bei der Fernwärme noch die Preise für die Kohle und die Entwicklung der Lohnkosten als Komponenten hinzu, hieß es. In Hannover wird Fernwärme in den Kraftwerken Stöcken und Linden erzeugt. Für ihre knapp 5000 Fernwärmekunden haben die Stadtwerke die Preise im April um 4,2 Prozent gesenkt. Im Vorjahr hatte der Versorger die Tarife in zwei Schritten um insgesamt 22 Prozent erhöht.