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Niedersachsen Keine Entwarnung für Stahlkonzern Salzgitter
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22:09 28.03.2014
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Vages Ziel des Konzerns von Heinz Jörg Fuhrmann: In die Nähe einer schwarzen Zahl kommen.
Vages Ziel des Konzerns von Heinz Jörg Fuhrmann: In die Nähe einer schwarzen Zahl kommen. Quelle: dpa
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Salzgitter

Der mit Überkapazitäten und Preisdruck kämpfende Salzgitter-Konzern bahnt sich nur langsam den Weg aus der Krise. Lichtblicke gibt es immerhin – vor allem beim größten Sorgenkind des Stahlherstellers, den Peiner Trägern.

Die Tochter, die Stahlträger für die Baubranche produziert, hatte 2013 mit einem Vorsteuerminus von 291 Millionen Euro mehr als die Hälfte des Konzernverlusts von 478 Millionen Euro verursacht. Dank der „Rosskur“, die die Tochter machen musste, „können wir bei Peiner Träger mit hinreichender Sicherheit sagen, dass wir im ersten Quartal ein Resultat more or less break even sehen werden“, erklärte Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann gestern bei der Bilanzvorlage in Salzgitter. Ähnliches sei bei den Präzisrohren für die Autoindustrie gelungen, die ebenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt hätten. Dennoch mochte Fuhrmann bei den Peiner Trägern noch nicht von einer Wende sprechen. Der Markt sei nicht „doll“, „und den können wir nicht beeinflussen.“ Deshalb lasse sich trotz „vorzeigbarer Erfolge“ nicht sagen, dass der Standort Peine tatsächlich gesichert sei.

Zum Abschneiden des Gesamtkonzerns im ersten Quartal machte Salzgitter noch keine Angaben. „Wir kommen langsam aus der Kurve“, sagte Fuhrmann nur. Das Sparprogramm „Salzgitter 2015“, das den Abbau von über 1500 der mehr als 23.000 Arbeitsplätze im Konzern vorsieht, sei im Plan. Der Personalabbau geht in dem montanmitbestimmten Unternehmen, in dem die Arbeitnehmervertreter eine starke Position haben, weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten. Am Standort Peine sind die notwendigen Maßnahmen bereits „zu 99 Prozent vollzogen“, wie der Konzernchef berichtete.  Nichts geändert hat sich an der Anfang März abgegebenen Prognose für 2014. Ziel bleibt ein Vorsteuerergebnis „nahe der Gewinnschwelle“. Die Erlöse sollen von 9,2 auf 10 Milliarden Euro zulegen.

Zu viele Hochöfen in Europa

Die Situation ist kurios: Das Stahlgeschäft bei Salzgitter läuft gut. Die Nachfrage aus Deutschland sei sogar stark, sagt Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann. Die Versandziffern erreichten teilweise Rekordwerte – aber unter dem Strich zahlt Salzgitter drauf. Der Grund dafür ist der Druck auf die Preise als Folge massiver Überkapazitäten in der europäischen Stahlindustrie. EU-weit werden sie laut Fuhrmann auf 40 Millionen Tonnen geschätzt, ein Fünftel der Gesamtkapazität. Zu viele Hochöfen gibt es demnach vor allem im Süden der EU, der unter der Wirtschaftskrise leidet. Die überschüssigen Mengen versuchen die Unternehmen auch in Deutschland abzusetzen – zu Kampfpreisen, die allen Produzenten roten Zahlen bescheren.
Salzgitter spart mit seinem Programm „Salzgitter 2015“ dagegen an, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und wieder dauerhaft Gewinne einzufahren. Doch reichen die eingeleiteten Maßnahmen aus? Fuhrmann gibt sich zuversichtlich: Der Markt habe den Boden erreicht. Deshalb erwartet er, dass die Margen nicht weiter „erodieren“. Hier und da seien auch schon wieder leichte Preiserhöhungen möglich. Wichtig für die Zukunft der Stahlindustrie sei aber genauso, dass die Politik für vernünftige Rahmenbedingungen sorge. Bei der Befreiung von der Ökostromumlage etwa spürt Fuhrmann inzwischen „Rückendeckung aus Berlin“. Man sei sich wohl „des Wertes der Industrie bewusst geworden“.

Dabei werden für den Bereich Flachstahl erneut rote Zahlen erwartet. Für Grobblech und die Peiner Träger ist ein „deutlich verbessertes“ Ergebnis geplant. Das Röhrengeschäft, das jetzt im Unternehmensbereich Energie zusammengefasst ist, soll auch wegen des Großauftrags für die neue Gas-Pipeline South Stream „ein merklich gesteigertes“ Ergebnis abliefern, der Handel sein Niveau halten und der Bereich Technologie mit dem sanierten Maschinenbauer KHS einen „spürbar höheren“ Vorsteuergewinn erzielen.

2013 hat der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller nach ThyssenKrupp einen Verlust vor Steuern von 478 Millionen Euro angehäuft. Davon entfielen rund 55 Millionen Euro auf den Restrukturierungsaufwand im Rahmen des Programms „Salzgitter 2015“. 2014 sind weitere 12 Millionen Euro dafür vorgesehen, wie Finanzchef Burkhard Becker sagte.

Unter dem Strich stand ein Rekordverlust von 490 Millionen Euro. Trotzdem sollen die Aktionäre, darunter das Land Niedersachsen mit seiner Sperrminorität, eine Minidividende von 0,20 Euro je Aktie bekommen – nach 0,25 Euro 2012, als der Verlust „nur“ 100 Millionen Euro betrug. „Damit dokumentieren wir unsere feste Absicht, so rasch wie möglich wieder in die Gewinnzone zurückzukehren“, sagte Fuhrmann.

Kritik an Steuerfahndern

Auf die Durchsuchung der Konzernzentrale und der Tochter Peiner Träger jüngst durch die Steuerfahndung Braunschweig reagierte der Konzernchef mit harscher Kritik: „In der Sache halten wir die Vorwürfe für absurd.“ Dabei geht es um angeblich steuerrechtlich unzulässige Rückstellungen bei Tochtergesellschaften in den Jahren 2006 bis 2009.

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