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Niedersachsen Meyer Werft läuft ihren Terminen hinterher
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Meyer Werft läuft ihren Terminen hinterher
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00:24 18.11.2018
337 Meter lang, 42 Meter breit, 20 Decks: Die Aidanova ist das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff Quelle: dpa
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Hannover/Osnabrück

Die Papenburger Meyer Werft kämpft mit ihren Terminen. Verzögerungen beim Bau des Kreuzfahrtschiffs Aidanova wirkten sich auch auf andere Schiffe aus, sagte ein Sprecher der Werft am Donnerstag der HAZ. Man arbeite daran, die Rückstände aufzuholen und die Schiffe pünktlich auszuliefern. Zu diesem Zweck habe man mit dem Betriebsrat auch eine Vereinbarung über Mehrarbeit getroffen.

Die Werft wollte die Aidanova ursprünglich am 15. November an die Reederei Aida übergeben. Wegen eines Kabinenbrandes und Verzögerungen beim Innenausbau des knapp 340 Meter langen Schiffs verpasste sie diesen Termin. Systeme wie die Feuerlöschanlage müssten noch optimiert werden, erklärte der Sprecher. Nun peile man den 2. Dezember als Termin für die Jungfernfahrt der Reederei an. Ob das gelinge, hänge vom Verlauf weiterer Erprobungsfahrten ab.

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So viele Bestellungen wie nie

Die Werft begründet die Probleme mit den Besonderheiten der Aidanova. Es sei das größte jemals in Deutschland gebaute und das erste zu 100 Prozent mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff weltweit. Es handle sich um ein sehr komplexes, innovatives Schiff mit einer Vielzahl an technischen Neuentwicklungen.

Sobald sich ein Schiff verzögere, wirke sich das auch auf andere aus, sagte der Sprecher. Konkret nannte er die Spectrum of the Seas für die US-Reederei Royal Caribbean und die Spirit of Discovery für die britische Reederei Saga. Sie liegen zurzeit in den beiden Baudocks der Werft. In den Auftragsbüchern stehen insgesamt sogar 13 Kreuzfahrtschiffe – mehr als je zuvor. Sie sollen bis 2023 ausgeliefert werden. Hinzu kommen zwei Vorverträge für kleinere Schiffe. Ob die Werft bei verspäteter Abgabe den Reedereien Vertragsstrafen schuldet, konnte der Sprecher nicht sagen.

Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Nico Bloem läuft die mit der Geschäftsleitung getroffene Vereinbarung über Mehrarbeit bis Ende des Jahres. „Wichtig ist die Freiwilligkeit, es wird keiner gezwungen“, sagte er. Die Mehrarbeit dürfe nicht zum Dauerzustand werden. Laut der Gewerkschaft IG Metall arbeiten die Mitarbeiter im Rahmen der Vereinbarung bis zu 45 Stunden pro Woche.

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ zitierte am Donnerstag aus einer Mitarbeiterzeitschrift der Werft, in der Thomas Weigend, Mitglied der Geschäftsführung, schreibt: „Bei allen Schiffprojekten und Bereichen der Werft haben wir erhebliche Verzögerungen.“ Jeder Einzelne sei gefordert, mit aller Macht daran zu arbeiten, dass die Werft wieder auf Kurs komme.  

IG Metall kritisiert hohe Zahl externer Arbeiter

Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen; mittlerweile arbeiten knapp 3500 fest angestellte Mitarbeiter in Papenburg. Vor vier Jahren wurde vom Wettbewerber STX die Werft im finnischen Turku übernommen. Außerdem muss die Werft die Digitalisierung der Arbeitsabläufe schultern.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Leer-Papenburg, Thomas Gelder, sagte, es greife zu kurz, die Schwierigkeiten allein auf Organisationsprobleme des gewachsenen Unternehmens zu schieben. „Es ist nachzudenken über das Verhältnis zwischen eigenen Mitarbeitern und Fremdmitarbeitern“, sagte Gelder, der früher selber Betriebsratsvorsitzender der Werft war. Die Zahl der externen Arbeiter müsse verringert werden, forderte der Gewerkschafter.

Von Christian Wölbert und Elmar Stephan

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