Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Landesbank-Fusionen kein Thema mehr
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Landesbank-Fusionen kein Thema mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:12 22.09.2013
Von Albrecht Scheuermann
Nord/LB-Chef Gunter Dunkel. Quelle: Rainer Surrey
Anzeige
Hannover

„Ich sehe in Deutschland niemanden, der die Risiken einer solchen Fusion übernehmen könnte“, erklärte Gunter Dunkel, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB).

Die mit Fusionen verbundenen Probleme seien so groß, dass sie alle möglichen Vorteile in den Schatten stellten. So bedeute eine Fusion „für zwölf bis 18 Monate Stillstand“ für die beteiligten Unternehmen in einem sich rasch wandelnden Umfeld. Sehr kritisch seien auch die politischen Fragen, da stets mehrere Bundesländer mit eigenen Landesbanken beteiligt und deshalb politische Mehrheiten für ein solches Projekt notwendig wären. Die Zusammenführung der unterschiedlichen IT-Systeme wäre ebenfalls eine enorme Herausforderung.

Anzeige

Anstatt einer Konsolidierung über Fusionen sprach sich Dunkel für eine „interne Konsolidierung“ aus. Jedes Institut müsse für sich selbst ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln und die Unternehmenspolitik entsprechend ausrichten. Derzeit gibt es in Deutschland noch sechs selbstständige Landesbanken, darunter die Nord/LB. Schon seit Jahrzehnten wird über ein Zusammenrücken diskutiert. Die Ideen reichen von künftig nur noch drei Landesbanken bis zu einer einzigen für ganz Deutschland.

Die Landesbanken sind innerhalb der Gruppe der öffentlichen Banken das Schwergewicht. Nach Ansicht von VÖB-Präsident Dunkel ist die Position der öffentlichen Geldhäuser fünf Jahre nach dem Lehman-Pleite und dem Ausbruch der Finanzkrise „eindeutig stärker“ geworden. Die Institute hätten ihre Bilanzsummen verringert, ihr Kapital gestärkt und die Kosten gesenkt – und das konsequenter als andere Geldhäuser. „Die Landesbanken machen ihren Eigentümern wieder mehr Freude“, erklärte Dunkel.

Die Bedeutung öffentlicher Banken für Deutschland habe sich auch wieder nach der jüngsten Flutkatastrophe an Donau, Elbe und weiteren Flüssen erwiesen. „Die Förderbanken spielten eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Flutschäden“, sagte Dunkel. Die finanzielle Infrastruktur habe bestens funktioniert, sodass staatliche Hilfen „innerhalb von Wochen“ ausgezahlt werden konnten. „Das gibt es so in kaum einem anderen Land in Europa.“

„Die unglaubliche Stärke“ dieses Bankensektors habe man auch in Brüssel bemerkt. Dort habe sich die früher negative Einstellung gegenüber dem öffentlichen Bankensektor, den es so nur in Deutschland gibt, gewandelt. „Die Diskussion über ihre Existenzberechtigung ist verstummt“, meinte der VÖB-Präsident. Gleichwohl sei das Verständnis der EU-Kommission für die Landesbanken immer noch zu gering ausgeprägt.

Die Brüsseler Bemühungen um eine Stabilisierung der europäischen Banken gehen nach Dunkels Ansicht in die richtige Richtung. Allerdings kritisierte er Ausmaß und Tempo der neuen Regulierung, weil diese die Banken zu überfordern drohen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu schnell zu viel wollen.“

Dirk Stelzl 21.09.2013
Lars Ruzic 21.09.2013
Dirk Stelzl 16.09.2013