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Niedersachsen Lösung im Conti-Konflikt in Sicht - Degenhart neuer Chef?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Lösung im Conti-Konflikt in Sicht - Degenhart neuer Chef?
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22:11 10.08.2009
Vor der Ablösung? Continental-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer.
Vor der Ablösung? Continental-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Auch Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer steht nach dem Eklat um die gescheiterte Absetzung Neumanns in der vergangenen Sitzung des Kontrollgremiums vor dem Aus. Über ein entsprechendes Kompromisspaket verhandeln Aufsichtsräte, Banken und Politik derzeit fieberhaft. „Das geht zu wie auf dem Cloppenburger Eiermarkt“, sagte einer der Beteiligten.

Bis Dienstag wollen sich alle Seiten auf Grundzüge geeinigt haben, da dann das Gremium erneut zusammentritt, um endgültig über Neumanns Absetzung zu beraten. Der Conti-Chef war bei Schaeffler in Ungnade gefallen, sein Sturz scheiterte jedoch zunächst an der Arbeitnehmerbank im Kontrollgremium. Koerfer wird in dem Zusammenhang Parteilichkeit sowie eine dilettantische Führung der Sitzung vorgeworfen. Er hatte Neumann absetzen wollen, ohne die Arbeitnehmerseite zu befragen. Zudem entsprach das Vorgehen offenbar auch nicht der zwischen beiden Konzernen geschlossenen Investorenvereinbarung, über die Gerhard Schröder wacht.

Eine Prüfung, die der Altkanzler eingeleitet hatte, soll dies ergeben haben. Die durch den Eklat in Gang gekommenen Gespräche böten nun die Gelegenheit, gleich mehrere offene Fragen in dem angespannten Verhältnis der beiden Konzerne zu klären, hieß es aus dem Aufsichtsrat. „Aber da müssen sich alle noch bewegen.“ Derzeit zeichnet sich ein Austausch Neumanns durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ab. An Koerfers Stelle müsse eine neutrale Person aus der Autoindustrie rücken – etwa von der Statur eines Wolfgang Reitzle, des früheren BMW-Managers und heutigen Linde-Chefs.

Wie das „Handelsblatt“ aus Verhandlungskreisen erfuhr, stehen neben dem neuen Conti-Chef Elmar Degenhart auch die weiteren neuen Conti-Vorstandsmitglieder bereits fest. Drei neue Führungskräfte sollen demnach in den Conti-Vorstand berufen werden. Dabei handele es sich um den Interimschef der Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, den Chef des Interior-Bereichs, Helmut Matschi, und Ralf Cramer, Chef der Bremsen-Sparte Chassis & Safety. Degenhart selbst übernehme die Zuständigkeit für den Bereich Powertrain.

Für den vakanten Posten des Finanzchefs solle eine renommierte Personalberatung einen Kandidaten suchen, hieß es in den Kreisen. Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld, der laut früheren Plänen den Posten mit übernehmen sollte, sei damit offenbar aus dem Rennen.

Zwei Conti-Manager, Personalchef Heinz-Gerhard Wente und Lkw-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin, blieben im verjüngten Vorstand. Damit stehen dem Schaeffler-Mann Degenhart fünf Conti-Manager gegenüber. Laut Satzung entscheidet im Vorstand die einfache Mehrheit, nur bei Stimmgleichheit gibt der Vorstandschef den Ausschlag.

Schaefflers Vorhaben, den eigenen Finanzchef Klaus Rosenfeld auf den entsprechenden Vorstandsposten bei Conti zu hieven, stößt vor allem bei der Arbeitnehmerbank auf wenig Gegenliebe. Sie befürchtet, Rosenfeld könne die noch von Neumann durchgesetzte Kapitalerhöhung wieder rückgängig machen, weil dadurch Schaefflers Conti-Anteil sinken würde. Deshalb brachten die Belegschaftsvertreter auch in die Verhandlungen ein, dass sich der Aufsichtsrat nochmals klar dafür aussprechen solle, frisches Geld für Conti einzusammeln. Unterdessen hat der frühere Conti-Chef Manfred Wennemer die Zurückhaltung der Schaeffler-Banken kritisiert, bei denen die Familienfirma mit mehr als elf Milliarden Euro in der Kreide steht. „Die Banken sitzen am längeren Hebel“, sagte Wennemer dem „Spiegel“, „aber sie müssen ihn endlich bewegen.“ Durch ihr Unterlassen würden sie „Beihilfe zur Wertvernichtung leisten“.

von Lars Ruzic (mit ddp)