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Niedersachsen Martin Kind braucht dringend eine Konzernzentrale
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Martin Kind braucht dringend eine Konzernzentrale
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19:41 26.04.2013
Von Lars Ruzic
„Ich investiere lieber in Wachstum“: Martin Kind. Quelle: Archiv
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Hannover

Wer Martin Kind in seinem Büro besuchen will, muss sich die Adresse schon auf die Hausnummer genau geben lassen. Auf sage und schreibe acht Gebäudekomplexe mit 280 Mitarbeitern in der Burgwedeler Kokenhorst- und Berkhopstraße erstreckt sich inzwischen das Reich des Hörgeräteunternehmers. „Wir beschäftigen allein drei Hausmeister, die den ganzen Tag mit dem Auto zwischen den Gebäuden unterwegs sind“, erzählt der 69-Jährige. Gerade hat er wieder eine der Immobilien etwas ausbauen und etwas modernisieren lassen. Mit der Betonung auf „etwas“.

Im kommenden Monat beginnt immerhin die Erweiterung von Kinds „Kokenhof“. Das Hotel im Fachwerkstil bildet quasi das Einfallstor zur Kokenhorststraße, wo der Unternehmer im Laufe der Jahre „fast die ganze Straße aufgekauft“ hat, wie er es umschreibt. Die Kapazitäten werden verdoppelt, Veranstaltungen mit bis zu 280 Gästen sollen künftig möglich sein, eine „urige Kneipe“ soll hinzukommen. Investitionsvolumen: „viele Millionen“, wie es der Hannover-96-Präsident in der ihm ureigenen Detailschärfe beschreibt, wenn die Sprache auf Zahlen kommt.

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Auch die Pläne für den ganz großen Wurf hat er schon in der Schublade: die eine Konzernzentrale für das Kind-Reich, wo Verwaltung, Technik und IT gemeinsam sitzen und weite Wege der Vergangenheit angehören. Seit Dirk Roßmann auf der anderen Seite der Autobahn 2 ein viergeschossige Bebauung bei Bürogebäuden durchgesetzt hat, plant auch Kind einen Trakt in dieser Höhe. Zwei Varianten haben seine Architekten ausgearbeitet – einen dreiteiligen Riegel und ein einzelnes, großes Gebäude. Vieles würde für die große Lösung sprechen, räumt der Unternehmer ein. Das Durchwurschteln am Firmensitz könne keine Dauerlösung sein.

Und doch wird sich Kind wohl noch länger damit abfinden. Zum einen „kommt immer wieder der Markt dazwischen“, sagt er. Das Hörgerätegeschäft ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Gerade hat der Konzern in die Verdopplung der Produktionskapazitäten im thüringischen Kölleda „viele Millionen“ investiert. Durch die Digitalisierung der Hörgeräte hätten sich zudem die Innovationszyklen stark beschleunigt. Das treibe die Entwicklungsinvestitionen in die Höhe – zuletzt auf über 10 Prozent vom Umsatz.

Hinzu kommt die Filialexpansion. Kind betreibt gut 600 Geschäfte mit 2400 Mitarbeitern in 15 Ländern – den weit überwiegenden Teil davon in Deutschland. In diesem Jahr dürften gut 50 hinzukommen. Gerade auf dem heimischen Markt böten ihm viele Hörgeräteakustiker ihre Läden zur Übernahme an. Da gebe es gerade „unglaubliche Optionen“. Als Familienunternehmer müsse man da Prioritäten setzen, sagt Kind: „Und ich investiere lieber in Wachstum als in Steine.“

Das zweite Hemmnis ist der Standort selbst. Für seine neue Zentrale müsste der Konzern noch ein weiteres Grundstück in „seiner“ Kokenhorststraße erwerben. Darauf steht allerdings derzeit noch ein Parkhaus, das Volkswagen zum Abstellen der Gebrauchtwagen nutzt, die im nahelegenen Autohaus verkauft werden. Ob der Autoriese je darauf verzichten wird, steht jedoch in den Sternen. Einige Jahre wird sich Martin Kind das vielleicht noch ansehen. „Aber wenn nicht, dann werden wir nach Alternativen suchen müssen.“ Notfalls jenseits „seiner“ Straße.

25.04.2013
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