Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Mit ruhigem Gewissen Geld anlegen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Mit ruhigem Gewissen Geld anlegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:49 06.09.2012
Von Dirk Stelzl
„Rendite und Nachhaltigkeit schließen einander nicht aus“: Hannovers Börsenchefin Sandra Lüth. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Atomkraft, Rüstungswirtschaft oder Gentechnik – für viele Geldanleger kommen Aktien bestimmter Branchen aus moralischen Gründen nicht infrage. Um ihnen die Anlageentscheidung zu erleichtern, hat die hannoversche Börse gemeinsam mit der Ratingagentur oekom research vor fünf Jahren den „Global Challenges Index“ (GCX) ins Leben gerufen. Er spiegelt die Wertentwicklung von 50 Unternehmen wider, deren Produkt- und Dienstleistungsangebot als besonders „nachhaltig“ gilt. Auf solche Firmen zu setzen kann sich auch wirtschaftlich lohnen: Der Nachhaltigkeitsindex hat nach Angaben der Börse besser abgeschnitten als Leitindizes wie der Dax und der EuroStoxx.

„Zum fünften Geburtstag des Index zeigt sich deutlich, dass Rendite und Nachhaltigkeit einander nicht ausschließen“, sagt die Geschäftsführerin der Börse Hannover, Sandra Lüth. Seit seinem Start im September 2007 bis zum 30. August dieses Jahres ist der GCX um 1,6 Prozent gestiegen – während der Deutsche Aktienindex (Dax) um mehr als 8 und der EuroStoxx um über 30 Prozent nachgegeben haben. Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe den GCX weniger beeinträchtigt als die etablierten Aktienindizes, erläutert die Börse. Mit einem Plus von mehr als 19 Prozent hat der Nachhaltigkeitsindex auch seit Beginn des laufenden Jahres den Dax (knapp 17 Prozent) und den EuroStoxx (über 7 Prozent) geschlagen.

Anzeige

Mehr als 100 Millionen Euro sind derzeit in Fonds investiert, die den „Global Challenges Index“ abbilden. Der Index ist auf sieben Herausforderungen ausgerichtet – die Bekämpfung des Klimawandels und der Armut, eine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser, die Erhaltung der Artenvielfalt, eine nachhaltige Waldwirtschaft, die Bevölkerungsentwicklung und „Corporate Governance“, also eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Bei der Auswahl der im Index vertreteten Aktien wird darauf geachtet, inwiefern die Firmen  einen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen leisten, soziale und ökologische Kriterien erfüllen und durch ihre Produkt- und Dienstleistungspalette eine nachhaltige Entwicklung fördern. Notwendig ist auch eine bestimmte Mindestkapitalisierung.

Nicht in den Index aufgenommen werden hingegen Unternehmen, die sich zum Beispiel mit Atomenergie, grüner Gentechnik oder Rüstung befassen. Ausschlusskriterien sind zudem Verstöße gegen die Umwelt sowie gegen fundamentale Menschen- oder Arbeitsrechtsnormen, die Beteiligung an Korruption oder Bilanzfälschung. Aus dem GCX herausgenommen wurde beispielsweise die Münchener-Rück-Aktie. Die Börse begründete dies mit einem Verstoß gegen Umweltregeln, da der Rückversicherer die Absicherung eines umstrittenen Staudamm-Bauprojekts im brasilianischen Amazonasgebiet übernommen habe. Experten befürchteten, dass das Projekt negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Regenwald haben werde.   

An der Zusammensetzung des GCX wirkt ein Beirat mit, dem unter anderem Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Deutschen Unesco-Kommission, der International Labour Organization (ILO), des Bundesverbands Deutscher Stiftungen und des WWF angehören. „Wer in nachhaltige Firmenwerte investiert, baut seine Kapitalanlage auf festen Grund“, sagt Rolf Krämer, Vizepräsident der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Der Anleger ermutige dann Firmenleitungen zu nachhaltigem Wirtschaften.

Stefan Winter 05.09.2012
04.09.2012