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Niedersachsen Mordaschow macht bei der TUI Druck
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Mordaschow macht bei der TUI Druck
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13:07 28.07.2012
Von Jens Heitmann
Großaktionär Alexej Mordaschow will bei der TUI jetzt die Richtung vorgeben. Quelle: dpa
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Hannover

Neben der Zahlung einer Dividende sei auch eine Sonderausschüttung aus den Erlösen des Teilverkaufs der Reederei Hapag-Lloyd denkbar. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern: „Kein Kommentar“, hieß es lediglich.

Mordaschow war 2007 bei der TUI eingestiegen und hatte seinen Anteil in mehreren Schritten erhöht – auf aktuell 25,06 Prozent. Der Milliardär, der als Mehrheitseigentümer auch den russischen Stahlkonzern Severstal führt, ist damit größter TUI-Aktionär; der norwegische Reeder John Fredriksen hält als Nummer zwei etwa 15 Prozent.

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Mit ihrem Engagement beim Reisekonzern haben Mordaschow und Fredriksen bisher nur Geld verloren: Vor fünf Jahren war die Aktie um die 20 Euro wert, heute sind es weniger als 5 Euro. Die TUI-Aktionäre bekamen vor fünf Jahren letztmals eine Dividende. Insofern sei der Wunsch des Russen nur legitim, hieß es im TUI-Management.

Mit der aktuellen Struktur des Unternehmens ist auch der Vorstand nicht glücklich. Der Reisekonzern leistet sich zwei Holdings: In Hannover sitzt als Dachgesellschaft die TUI AG – in London residiert die TUI Travel plc als Muttergesellschaft für alle Reiseveranstalter. Dies gilt als wenig effizient. Das Gebilde ist das Ergebnis einer Fusion im britischen Reisemarkt: Die TUI AG hat vor fünf Jahren einen Teil ihres Touristikgeschäfts mit der englischen First Choice unter dem Namen TUI Travel zusammengeführt. An TUI Travel halten die Hannoveraner die Mehrheit. Wichtige Bereiche wie „Hotels & Resorts“ und Luxuskreuzfahrten blieben hingegen bei der TUI AG.

Erklärtes Ziel des TUI-Managements unter Michael Frenzel ist es, das Reisegeschäft komplett unter einem Konzerndach zu versammeln – und zwar in Hannover. Dafür müsste die TUI AG die restlichen Anteile an TUI Travel erwerben. Doch dafür fehlt das Geld. Die Mittel für eine Übernahme der britischen Tochter sollte der Börsengang von Hapag-Lloyd in die Kasse spülen, dieser scheiterte aber an der Flaute auf dem Kapitalmarkt. Seither spielt man in Hannover mehrere Varianten durch. Eine Möglichkeit wäre, den Kauf von TUI Travel über neue Schulden zu finanzieren – das lehne Frenzel ab, hieß es. Als Zwischenlösung böte sich an, das reine Veranstaltergeschäft für Zentraleuropa aus der TUI Travel herauszukaufen. Dieses wird von der TUI Deutschland GmbH bereits aus Hannover heraus gesteuert. Eine Fusion von TUI Deutschland und TUI AG brächte internen Berechnungen zufolge etliche operative Vorteile, aber auch diese Variante sei kein Selbstläufer, berichteten Insider.

Mordaschow soll ein solcher „kleiner Konzernumbau“ hingegen nicht genügen – er verlange eine große Lösung, hieß es: Der Russe lasse prüfen, ob eine Zusammenführung des Reisegeschäfts nicht auch umgekehrt möglich sei, indem die Tochter TUI Travel den Mutterkonzern in Hannover übernimmt. Im TUI-Aufsichtsrat zeichne sich dagegen aber massiver Widerstand ab, berichtete ein Beteiligter.

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