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Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersachsen wehrt sich gegen Pflicht für CO2-Speicher
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21:37 26.09.2010
Erprobung in Mecklenburg-Vorpommern: Baustelle für die erste CO2-Kaverne in Kraak.
Erprobung in Mecklenburg-Vorpommern: Baustelle für die erste CO2-Kaverne in Kraak. Quelle: dpa
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Wohin mit dem Klimakiller Kohlendioxid, das vor allem beim Betrieb herkömmlicher Kohlekraftwerke entsteht? Ein seit Jahren diskutierter Plan, dieses Gas unter die Erde zu pressen und damit für das Klima unschädlich zu machen, bekommt nun neue Brisanz. Offenbar will die Bundesregierung entgegen bisheriger Überlegungen die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein anweisen, entsprechende Standorte auszuwählen – denn vor allem in diesen Ländern sind die geologischen Bedingungen gegeben. Schon Dienstag steht eine Entscheidung im Bundeskabinett über den Gesetzentwurf an.

Doch seit die Pläne am Wochenende bekannt wurden, wächst der Widerstand. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) pocht auf eine ursprüngliche Zusage von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), derartige Planungen nicht gegen Bedenken der betroffenen Länder durchzusetzen. „Das ist ein unfreundlicher Akt“, sagte Bode am Sonntag dieser Zeitung. „Wir werden auch auf die SPD-regierten Länder zugehen und die Solidarität aller Bundesländer bei diesem Thema einfordern“, betonte der FDP-Politiker. Schon vergangenen Donnerstag habe er in Berlin der Bundesregierung verdeutlicht, dass eine unterirdische Kohlendioxidlagerung dem Stand der Technik nicht entspreche. Die Forschungsergebnisse in Brandenburg, wo solche Techniken erprobt werden, seien auch noch nicht abgeschlossen. Deshalb könne ein Planfeststellungsverfahren in Niedersachsen nicht beginnen.

Seit 2000 gibt es einen Antrag der e.on Gas Storage GmBH beim Landesbergamt, der 17 Kreise und kreisfreie Städte in Nordwest-Niedersachsen als mögliche Orte für solche Lager definiert. Die Bundesregierung ist offenbar von den Energiekonzernen unter Zeitdruck gesetzt worden, weil von 2013 an Zertifikate für den Ausstoß von Kohlendioxid gekauft werden müssen. Die Industrie, unter anderem vertreten von RWE-Chef Jürgen Großmann, will das Kohlendioxid an den Kohlekraftwerken etwa in Nordrhein-Westfalen abscheiden und über Pipelines zu den Lagerstätten führen. Eine Variante ist, das Gas in wasserleitende Gesteinsschichten mit hohem Salzgehalt einzuführen. Dann könnte das in Wasser gelöste Gas Salze aus dem Gestein lösen, es entstünden mineralische Verbindungen, die wiederum Gesteine bilden könnten.

Was aber ist, wenn das gespeicherte Gas doch irgendwie entweicht? Und wie stabil sind unterirdische Gasspeicher? Im Kreis Leer gibt es gegenwärtig Aufregung um andere unterirdische Kavernen, solche für Erdgas-Vorräte. Als dort kürzlich bekannt wurde, dass es Bodenabsenkungen geben kann, forderte die Grünen-Abgeordnete Ina Korter eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Vergangene Woche lenkte das Wirtschaftsministerium ein und ordnete eine bessere Bürgerbeteiligung an.

Klaus Wallbaum und Monika Wendel

Patrick Hoffmann 24.09.2010
24.09.2010