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Niedersachsen Niedersachsens Industrie scheut Investitionen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersachsens Industrie scheut Investitionen
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00:25 22.02.2015
Von Lars Ruzic
Kurzarbeit kennt man schon beim Lkw-Bauer MAN in Salzgitter – inzwischen befürchten 41 Prozent der Industrieunternehmen in Niedersachsen, dass sie diesen Weg gehen müssen. Quelle: Jochen Lübke
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Hannover

Dagegen plant mehr als jeder dritte Betrieb Kürzungen. Dies geschieht bereits auf einer niedrigen Basis: Zuletzt habe das Investitionsniveau gerade ein Prozent über dem von vor zehn Jahren gelegen, berichtete Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall und anderer Industrieverbände. Er warnte vor einer „Zeitbombe“.

Internationale Krisen und die Einführung der Rente mit 63 sowie des Mindestlohns im Inland hätten die Zurückhaltung noch befördert. Im Schnitt befinde sich die Industrie zwar in einer Seitwärtsbewegung. Doch die Aufträge sicherten die Auslastung derzeit nur noch für drei bis vier Monate - etwa halb so lang wie üblich. Immerhin 41 Prozent der befragten Unternehmen könnten deshalb Kurzarbeit im weiteren Jahresverlauf nicht ausschließen, so Schmidt. Höher habe dieser Wert nur in der Wirtschaftskrise vor sechs Jahren gelegen. „Es ist eine extreme Unsicherheit im Markt.“

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Schmidt forderte staatliche Anreize, um den „verhängnisvollen Trend“ veraltender Fabriken zu stoppen. Unternehmen müssten Investitionen wieder schneller steuerlich abschreiben können - so wie das bis 2007 der Fall gewesen sei. Gleichzeitig müssten Forschungsausgaben sowohl steuerlich als auch mit direkten Zuschüssen gefördert werden. Letzteres machten 24 von 34 OECD-Ländern bereits - „und keinem hat es bislang geschadet“. Der Hauptgeschäftsführer stimmt mit den Forderungen in den derzeitigen Kanon der Wirtschaftsverbände ein.

Mit der Bundesregierung ging CDU-Mann Schmidt dabei hart ins Gericht - vor allem mit seinem Parteifreund Wolfgang Schäuble. Der Finanzminister hatte die Rückkehr zur degressiven Abschreibung bislang ausgeschlossen. „Wir halten auf Gedeih und Verderb an Schuldenbremse und schwarzer Null fest - und verschließen dabei die Augen vor der Realität“, warnte Schmidt. Er brachte eine Bundesratsinitiative der Landesregierung zur Investitionsförderung ins Gespräch, da sich der Bund in der Frage nicht bewege.

Auch bei Mindestlohn und Rente mit 63 stellt die Industrie Berlin schlechte Noten aus. Dass der Mindestlohn bereits bei Praktika mit einer Länge von mehr als drei Monaten greife, verzerre die Lohnstrukturen in den Betrieben. Praktikanten würden so gut 500 Euro mehr erhalten als Auszubildende im letzten Lehrjahr, so Schmidt. Laut Umfrage habe fast jeder fünfte Metallbetrieb die Praktikumsplätze bereits reduziert, teils auf null. „Das Gesetz wendet sich gegen diejenigen, für die es gemacht wurde“, so Schmidt.

Die Rente mit 63 treffe die Betriebe ebenfalls hart. Die Beschäftigten, die 45 Beitragsjahre und das Alter erreicht hätten, seien teils von einem Tag auf den anderen in den Betrieben verschwunden. Jedes vierte Unternehmen habe die frei gewordene Stelle nicht sofort oder gar nicht adäquat nachbesetzen können.

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