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Niedersachsen Niedersachsens Volksbanken am Wendepunkt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersachsens Volksbanken am Wendepunkt
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08:30 24.03.2015
Von Lars Ruzic
Noch hat die Volksbank ein weit verzweigtes Filialnetz – das wird sich ändern. Die Zukunft gehört eher den großen Einrichtungen.
Noch hat die Volksbank ein weit verzweigtes Filialnetz – das wird sich ändern. Die Zukunft gehört eher den großen Einrichtungen. Quelle: Eberstein
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Hannover

„Wir sind an einem Wendepunkt“, sagte Edgar Schneider, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes, am Montag in Hannover. Viele hätten die Mini-Zinsen zunächst zu einer günstigen Finanzierung von Immobilieneigentum genutzt. In den kommenden Jahren werde jedoch der Bedarf zunehmen, sein Geld jenseits des Sparbuchs für sich arbeiten zu lassen.

Zu einer ausgewogenen Anlagestrategie gehörten gerade in einer Niedrigzinsphase auch Aktien, ergänzte der Chef der Volksbank Hannover, Jürgen Wache. Dass die Indizes derzeit schon auf Höchstständen notieren, wollte er als Argument gegen einen Einstieg nicht gelten lassen. „Geht es danach, findet man nie den richtigen Zeitpunkt“, sagte Wache. Die Menschen hätten inzwischen erkannt, dass sich in den nächsten Jahren bei den Zinsen nichts ändern werde. Für Alternativen zum Sparbuch bedürfe es aber intensiverer Beratung. Und gerade hier hätten die Volksbanken mit ihrem Filialnetz nah am Kunden einen Wettbewerbsvorteil.

Schneider und Wache machten jedoch keinen Hehl daraus, dass die Zahl der Filialen in den kommenden Jahren weiter abnehmen werde. Die gesamte Branche ist derzeit dabei, ihr Filialnetz zu überdenken. Die Strategie: mehrere kleine Läden zu einer großen Filiale mit besserer Beratung zusammenzufassen.Die 55 Volksbanken in Niedersachsen sind damit bislang noch sehr zurückhaltend. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Zahl ihrer Läden um gerade sechs auf 814. Klar ist aber auch, dass das Tempo zunehmen wird. Allein die Volksbank Hannover will in diesem Jahr zehn von 60 Filialen schließen. Die Institute reagieren damit nicht nur darauf, dass immer weniger Kunden den Weg in die Läden finden – in Ladenschließungen sehen sie auch Kostensenkungspotenzial.

Denn in den kommenden Jahren werde „der Druck auf die Ertragslage“ deutlich zunehmen, sagte Schneider. Dann laufen die Kredite mit vergleichsweise hohen Zinsen langsam aus – eine der wichtigsten Gewinnquellen. Noch verdienten die Volksbanken prächtig, so Schneider. „Aber es wird in den nächsten Jahren anstrengender werden.“ Zum „großen Tal der Tränen im Zinsgeschäft“ komme eine zunehmende Regulierung durch die Europäische Zentralbank und die Finanzmarktaufsicht Bafin, die das Geschäft zusätzlich erschwerten.

Im vergangenen Jahr haben die Volksbanken in Niedersachsen zwar geringfügig Kunden verloren – 0,7 Prozent auf 2,1 Millionen. Gleichzeitig wuchsen aber sowohl Einlagen- als auch Kreditgeschäft. Zusammen erreichen die 55 Institute mit ihren mehr als 10 000 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von 36,3 Milliarden Euro – ein Plus von 3,6 Prozent. Das Betriebsergebnis summiert sich auf 400 Millionen Euro. Das entspricht 1,1 Prozent der Bilanzsumme. Damit lägen die Volksbanken noch auf einem sehr auskömmlichen Niveau, so Wache. „Niemand verdient derzeit auch nur annähernd das, was wir verdienen.“

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