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Niedersachsen Nord/LB drohen Zusatzkosten in Millionenhöhe durch Nordseewerke
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nord/LB drohen Zusatzkosten in Millionenhöhe durch Nordseewerke
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08:38 04.02.2013
Von Jens Heitmann
Foto: Die Nordseewerke sind offenbar geretten. Allerdings übernimmt der neue Eigentürmer nur 240 der 750 Mitarbeiter.
Die Nordseewerke sind offenbar geretten. Allerdings übernimmt der neue Eigentürmer nur 240 der 750 Mitarbeiter. Quelle: dpa
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Hannover

Dem Vernehmen nach prüft der Großkunde Global Tech 1, bei der Nord/LB wegen eingetretener Lieferverzögerungen bei Fundamenten eine Zahlung von rund 20 Millionen Euro durchzusetzen. Der Windparkbetreiber hatte bei den Nordseewerken ursprünglich 40 Fundamente für Windkraftanlagen bestellt – bis heute wurde jedoch noch keines ausgeliefert.

Für Global Tech 1 sollte die frühere Marinewerft ursprünglich 40 sogenannte Tripoden bauen – das sind dreibeinige Füße für Windkraftanlagen auf dem Meer. Der Auftrag hatte ein Volumen von 142 Millionen Euro. Weil bei den Nordseewerken der Umstieg vom Schiffbau auf die Fertigung der Fundamente stockte, geriet das Unternehmen mit der Lieferung in Verzug: Bis heute hat der Großkunde nach eigenen Angaben noch nicht einen von sechs halbfertigen Tripoden abgenommen.

In der Zwischenzeit ist der Auftrag für die Nordseewerke deutlich zusammengestrichen worden. Die Hälfte der ursprünglich bestellten 40 Tripoden baut mittlerweile der Konkurrent Weserwind, der Auftrag für weitere zehn Fundamente wurde international ausgeschrieben. Lediglich zehn Tripoden sollen jetzt noch in Emden gefertigt werden.

Gegen das Risiko, dass die Nordseewerke den vereinbarten Auftrag nicht abarbeiten können, hatte sich Global Tech 1 über die Nord/LB abgesichert – die Bank hatte dafür im Rahmen ihres Kreditengagements bei dem Unternehmen eine Bürgschaft übernommen. Insgesamt hatte die Nord/LB für die Umwandlung der ehemaligen Werft in einen Zulieferer für die Windkraftindustrie Kredite von 70 Millionen Euro gewährt – abgesichert durch eine Bürgschaft von 50 Millionen Euro durch das Land.

Trotz dieser Hilfen ist es den Nordseewerken nicht gelungen, Fundamente in Serie zu fertigen. Im Oktober vergangenen Jahres musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, nachdem die Nord/LB und die Landesregierung weitere Hilfen hatten. In Hannover wollten sich weder die Bank noch das Finanzministerium zu der möglichen Forderung von Global Tech 1 äußern.

Unterdessen kann der Betrieb bei den Nordseewerken weiterlaufen. Der neue Eigentümer DSD Steel und die Arbeitnehmerseite haben sich nach Angaben des Betriebsrats auf ein Gesamtpaket geeinigt. Details stünden aber noch aus, hieß es.

Bund der Steuerzahler fragt nach

Der Bund der Steuerzahler fordert Aufklärung über den Verbleib der vom Land Niedersachsen für die Nordseewerke verbürgten 50 Millionen Euro. In einem Schreiben an das Finanzministerium in Hannover bittet die Organisation um detaillierte Informationen zur Kredit- und Bürgschaftsvergabe und zum Controlling seitens der Behörden.

So möchte der Steuerzahlerbund wissen, für welche konkreten Zwecke die Kredite der Nord/LB vergeben wurden und zu welchen Anteilen daraus Investitionen, Anzahlungsgarantien für Kunden und Beraterhonorare bezahlt wurden. Darüber hinaus fragt die Organisation, was in Emden in der Zeit von März 2010 bis zur Insolvenz im Oktober 2012 konkret gefertigt worden ist. Von besonderem Interesse für den Steuerzahlerbund ist die Frage, in welchem Umfang das Land für verbürgte Nord/LB-Kredite an die Nordseewerke in Anspruch genommen worden ist. Bisher hatte es in Kreisen der Landesregierung nur geheißen, dass die Nord/LB aus ihrem Kreditengagement „plus/minus null“ herauskomme.

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