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Niedersachsen „Wir müssen raus aus Europa“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Wir müssen raus aus Europa“
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20:44 09.04.2014
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Das Unternehmen Nordzucker will raus aus Europa.
Das Unternehmen Nordzucker will raus aus Europa. Quelle: Jens Wolf
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Hannover

Damit will sich das Braunschweiger Unternehmen für das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung und das Ende der Quoten 2017 rüsten. Da der Markt in Europa weitgehend gesättigt ist, wird laut Fuchs der Wettbewerb massiv zunehmen. „Wir müssen eine kritische Masse haben, um nicht zum Übernahmekandidaten zu werden.“ In Europa könne Nordzucker jedoch aus kartellrechtlichen Gründen kaum noch wachsen.

Deshalb hat sich der zweitgrößte deutsche Zuckerkonzern in Afrika umgesehen – und weitgehende Pläne für eine Rohrzuckerproduktion, mit der Nordzucker Neuland betreten würde, entwickelt, wie Fuchs berichtete. Infrage kämen Länder in der Subsahara-Region wie Kenia, Tansania oder Sambia, in denen mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung auch der Verbrauch von Zucker künftig wachsen werde. Für Sambia gebe es eine „gewisse Priorität“. Mehr will Fuchs derzeit nicht sagen. Er bestätigte allerdings, dass Aufsichtsräte auf Einladung des Vorstands in Sambia gewesen seien, um sich einen Eindruck von den Plänen zu verschaffen. Der Aufsichtsrat habe die Entscheidung getroffen, die Pläne für die „Internationalisierung mitzutragen“.

Über die wird seit Wochen nicht nur unter den Rübenanbauern, die indirekt über zwei Holdinggesellschaften die Anteilseigner von Nordzucker sind, heftig diskutiert. Demnach ist die Entscheidung des Managements für Sambia als Standort bereits gefallen und sind die Vorbereitungen für den Bau einer Fabrik zur Produktion von Rohrzucker für rund 300 Millionen Dollar sehr weit gediehen. Fuchs selbst sagte, dass – wenn der Aufsichtsrat seine Zustimmung gibt – noch in diesem Jahr mit einem Fabrikbau, der über Bankkredite finanziert werden soll, begonnen werden könne.

Der Konzernchef räumt aber ein, dass es noch Bedenken gegen eine solche Investition gebe. „Kriegen wir das hin?“ Das sei eine oft gestellte Frage. „Wir können Zucker“, erklärte Fuchs.
Beim Rohrzucker fehle Nordzucker jedoch die Kompetenz, was das Vorhaben zum enormen Risiko mache, sagen dagegen Skeptiker. Auch das nötige Personal zu finden sei ebenso ein ungeklärtes Problem wie die Logistik, um den Zucker auf die Märkte zu bringen.

Die Sorge heimischer Rübenanbauer, dass Nordzucker in Afrika ihr Rübengeld versenken könne, teilt Fuchs nicht. Nach seiner Einschätzung sind das Einzelmeinungen. Die Mehrheit der Anbauer stehe hinter den Plänen des Vorstands. „Das Votum ist eindeutig.“ Auch die Landwirte sähen klar, dass man „aus Europa raus muss, wenn man den Wert des Unternehmens erhalten will“. Afrika ist für Fuchs „nur der erste Schritt“. Brasilien könnte der nächste sein. Dort sieht der Konzernchef ebenfalls Chancen für Nordzucker.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fürchtet, dass solche Millioneninvestitionen „schädlich“ für die hiesigen Rübenanbauer seien, aber auch für vom Landraub bedrohte Bauern in Sambia. Weil die Zuckerkonzerne in die Rohrzuckerproduktion drängten, könnten sie nach dem Wegfall der EU-Zuckerquoten die Rübenpreise massiv drücken, heißt es bei der AbL.

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