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Niedersachsen „Positive Signale“ für die Nordseewerke
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Positive Signale“ für die Nordseewerke
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15:00 19.10.2012
Mitarbeiter der Siag-Nordseewerke demonstrieren am Freitag vor dem Wirtschaftsministerium in Hannover. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Für die Zukunft der insolventen Siag Nordseewerke in Emden gibt es erste Hoffnungsschimmer, aber noch keine konkreten Zusagen: Ein möglicher Übernahme-Interessent war nach Angaben der Geschäftsführung zur Werksbesichtigung vor Ort. „Die Zukunft geht nur über einen neuen Eigentümer“, erklärte Siag-Geschäftsführer Tomas Marutz am Freitag in Hannover. Zudem signalisierten die Betreiber des künftigen Windparks Global Tech 1 nach Angaben des Betriebsrats, dass sie an den Nordseewerken festhalten wollen. Der geplante Windpark Global Tech 1 hat ein Bauvolumen von 1,7 Milliarden Euro, der Anteil für die Siag Nordseewerke liegt bei 800 Millionen Euro.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) betonte allerdings nach dem Krisengipfel: „Wir können heute keine Zusagen machen.“ Er bezeichnete die Gespräche aber als konstruktiv. Die Weichen für einen vom Land verbürgten Massekredit seien gestellt. Auch das Bundeswirtschaftsministerium muss hier zustimmen. Durch den Insolvenzantrag der Nordseewerke seien bestimmte Dinge einfacher geworden, meinte Bode. Der frisch berufene Insolvenzverwalter und Sanierungsexperte Jan Markus Plathner nahm an dem Treffen teil. Er erklärte nach Bodes Angaben, dass er noch bei keinem anderen Verfahren „einen so vorbereiteten Weg vorgefunden hat.“

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Vor einer Krediterteilung müssen die Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter erst noch einen Liquiditätsplan erstellen. Die endgültige Genehmigung liegt dann bei der EU-Kommission. Der Kredit soll es ermöglichen, dass kurzfristig Aufträge abgearbeitet werden können, die Beschäftigung zunächst gesichert wird und die Investorensuche fortgesetzt werden kann.

Zu dem Treffen hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) die Siag-Unternehmensspitze, die NordLB, Insolvenzverwalter Plathner, den Betriebsrat und die IG Metall eingeladen. Ministerpräsident David McAllister (CDU) war per Telefonkonferenz zugeschaltet. Mehrere hundert Mitarbeiter, Angehörige und Gewerkschafter hatten die Gespräche vor dem Wirtschaftsministerium mit Buhrufen und einem Trillerpfeifen-Konzert begleitet. Sie bauten vor dem Eingang auch einen schwarzen Sarg auf. Auf einem Transparent hieß es unter anderem: „Glaubst Du noch oder ahnst Du schon?“

Die Mitarbeiter würden alles tun, das Vertrauen der Kunden nicht zu enttäuschen, sagte der Siag-Betriebsratsvorsitzende Erwin Heinks. Ein Schlüssel zum Erfolg sei die Sicherung des Großauftrags für den Windpark Global Tech 1. Er betonte: „Die Belegschaft steht hinter dem Kunden Global Tech 1 - und wenn der pfeift, dann bauen wir das Ding zu Ende.“ Der angeschlagene Offshore-Zulieferer braucht allerdings dringend frisches Kapital, um den laufenden Großauftrag zu stemmen.

Stichwort: Massekredit

Bei manchen Insolvenzen ist ein Massekredit der entscheidende Rettungsanker für das betroffene Unternehmen. Es handelt sich um eine Art Notdarlehen, mit dem Banken oder Staat dem zahlungsunfähigen Betrieb vorübergehend unter die Arme greifen können. Die Erhöhung des vorhandenen Restvermögens («Masse») soll dazu beitragen, die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten - und laufende Kosten wie etwa Mieten zahlen zu können.

Der Kreditgeber steht nach Gewährung der Hilfe in der Liste der Gläubiger ganz oben, seine Forderungen müssen später mit Vorrang bedient werden. Auch der Zugriff auf die Insolvenzmasse ist bei Bedarf so direkter möglich.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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