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Niedersachsen Conti will Kautschuk bis zur Plantage zurückverfolgen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti will Kautschuk bis zur Plantage zurückverfolgen
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13:52 02.07.2018
Kautschukbaum Quelle: Michael Ryan
Hannover

Auch 180 Jahre nach der Erfindung des Gummis durch Charles Goodyear beginnt die Reifenproduktion immer noch mit einem Schnitt in die Rinde des Kautschukbaums. „Hevea brasiliensis“ wird mittlerweile vor allem in Thailand, Indonesien und Malaysia angebaut. Dort leben hunderttausende Menschen von den Kautschukplantagen. Doch es gibt Schattenseiten: Aufgrund der steigenden Nachfrage wird immer mehr Urwald gerodet. Außerdem wird immer mehr Kautschuk in Regionen angebaut, die sich klimatisch schlecht dafür eignen.

Für Reifenhersteller wie Continental entstehen dadurch Risiken: Umweltschützer könnten ihnen vorwerfen, für Urwaldzerstörung verantwortlich zu sein. Lebensmittelproduzenten, die Palmöl verwenden, stehen bereits am Pranger. Außerdem könnte der Rohstoff knapp und teuer werden, wenn Plantagen durch Stürme, Wassermangel oder andere Klimaprobleme ausfallen.

Komplexe Lieferkette

Continental reagiert darauf mit einem Pilotprojekt: Der hannoversche Konzern versucht, seine Kautschuklieferungen bis zu einzelnen Bauern zurückzuverfolgen sowie den umweltfreundlichen und sozialverträglichen Anbau zu fördern. „Wir müssen sicherstellen, dass die Zukunft unserer Branche abgesichert und das Wohlergehen der nächsten Generation gewahrt wird“, sagt Jorge Almeida, der bei Conti als „Senior Vice President Corporate Purchasing“ für den Einkauf zuständig ist.

Continental arbeitet dabei mit der staatlichen deutschen Entwicklungshilfegesellschaft GIZ zusammen. Die GIZ wird auf den Plantagen aktiv: Sie schult 400 indonesische Kleinbauern in Anbautechniken, die Erträge und Qualität langfristig sichern und das Einkommen der Bauern erhöhen sollen. So könne man auch den Wald in den Anbaugebieten besser vor Rodung schützen, erklärt die Gesellschaft.

Conti und die GIZ wollen außerdem die Lieferungen der 400 Bauern mit einem elektronischen System nachverfolgen. Bislang wissen Reifenhersteller nämlich nicht, woher genau ihr Kautschuk stammt. Sie arbeiten nur mit großen Kautschuk-Verarbeitern zusammen, aber nicht mit deren Vorlieferanten. In manchen Ländern bestehe die Lieferkette aus bis zu sieben Stufen, erklärt Conti.

Löwenzahn als Alternative?

Der hannoversche Konzern strebt einen durchgehenden Überwachungsprozess an: von den Kleinbauern bis zum Conti-Reifenwerk, wie Almeida erklärt. Im Pilotprojekt mit der GIZ gehe es zwar nur um eine kleine Menge, aber das System könne später ausgeweitet werden. Die langfristige Hoffnung: Machen auch Konkurrenten mit und kaufen nur noch Kautschuk aus „sicheren“ Quellen, würde der Anreiz zur Waldrodung verschwinden. Man arbeite deshalb daran, „branchenweite Nachhaltigkeitsstandards zu entwickeln und einzuführen“, erklärt Conti.

Gleichzeitig sucht das Unternehmen aber auch Alternativen zum Kautschuk: Seit über zehn Jahren tüftelt es an Wegen, konkurrenzfähige Reifen aus Löwenzahn herzustellen. 2014 wurden die ersten Modelle auf Teststrecken probegefahren. 2017 begann Conti mit dem Bau eines Löwenzahn-Forschungszentrums in Mecklenburg-Vorpommern. Gut möglich, dass „Hevea brasiliensis“ irgendwann doch ausgedient hat.

Von Christian Wölbert

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