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Niedersachsen Salzgitter stellt Weichen für Wechsel
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Salzgitter stellt Weichen für Wechsel
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20:09 26.03.2010
Von Carola Böse-Fischer
Harmonisches Duo: Konzernchef Wolfgang Leese (rechts) und sein designierter Nachfolger, Finanzchef Heinz Jörg Fuhrmann. Quelle: dpa
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Der Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter stellt bereits die personellen Weichen für die Zeit nach Konzernchef Wolfgang Leese. Finanzchef Heinz Jörg Fuhrmann, zugleich stellvertretender Vorstandschef, wird am 1. Juli 2011 Leese im Amt beerben. Der Salzgitter-Chef, der den Dax-Konzern seit dem 1. Februar 2000 führt, verabschiedet sich dann in den Ruhestand. Am 17. Juni 2011 wird Leese 65.

Mit der Wahl Fuhrmanns, die auf einer „besonderen“ Aufsichtsratssitzung am 14. Juli formell beschlossen werden soll, sei die Kontinuität an der Konzernspitze gewährleistet, sagte Leese gestern bei der Bilanzvorlage in Salzgitter. „Das ist ein gutes Zeichen nach innen und außen.“ Seit elf Jahren steuere man gemeinsam das Salzgitter-Schiff, man habe einen „ähnlichen Denkansatz“, erklärte Leese. „Da passt kein Blatt dazwischen.“ Größter Einzelaktionär bei Salzgitter ist das Land Niedersachsen, das eine Sperrminorität hält.

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Leese selbst strebt kein Aufsichtsratsmandat nach seiner aktiven Zeit bei dem Konzern an. Das ließ er zumindest indirekt durchblicken: „Ich werde mich dann um mich selbst kümmern und alles tun, was bisher zu kurz gekommen ist.“ Salzgitter werde er dann „aus der Sicht des Aktionärs“ beobachten, sagte der Konzernchef, der einer weiteren Vertragsverlängerung bis zu seinem 65. Geburtstag wegen der schwierigen Lage des Unternehmens im Krisenjahr 2009 zugestimmt hatte. Fuhrmann erklärte gestern nur, er werde den „Kurs der Unternehmenspolitik“ fortsetzen.
Damit hat der designierte Konzernchef alle Hände voll zu tun. Salzgitter kam zwar besser durch die Wirtschaftskrise als viele Konkurrenten, musste aber 2009 bei einem von 12,5 auf 7,8 Milliarden Euro eingebrochenen Umsatz unter dem Strich auch einen Verlust von knapp 387 Millionen Euro hinnehmen.

Trotzdem will Salzgitter seinen Aktionären eine kleine Dividende von 0,25 Euro je Aktie zahlen, „weil wir uns auch nach einem solchen Katastrophenjahr zur Dividenden-Kontinuität bekennen“, erklärte Fuhrmann. Die Ausschüttungssumme dafür beträgt gut 15 Millionen Euro. Für 2008 hatte Salzgitter noch 1,40 Euro gezahlt, im Boomjahr 2007 sogar 3 Euro.

Die Börse reagierte verhalten positiv auf die Nachrichten aus Salzgitter. Die Aktie gehörte mit einem kleinen Plus von 0,28 Prozent auf 68,94 Euro zu den Gewinnern im Dax.

Das laufende Jahr hat für den niedersächsischen Konzern offensichtlich besser begonnen als vermutet. So zogen die Auftragseingänge in den ersten drei Monaten kräftiger an als erwartet, wie Fuhrmann berichtete. Die durchschnittliche Auslastung des Konzerns liege aktuell zwischen 90 und 95 Prozent. Kurzgearbeitet wird nach Angaben von Konzernchef Leese derzeit noch im Bereich Technologie mit den Klöckner-Werken und in der Röhrensparte, speziell bei den Präzisrohren für die Autoindustrie. Insgesamt seien noch 2000 bis 2200 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Leese bekräftigte seine Gewinnprognose für 2010, nach der ein Vorsteuerergebnis „im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ erwartet wird. Helfen sollen dabei auch weitere Einsparungen von rund 260 Millionen Euro. Überschattet wird dies alles von drohenden Preiserhöhungen für wichtige Rohstoffe wie Erz und Kohle. In der Branche ist sogar schon von einer Verdoppelung die Rede. Als kleiner Akteur hat Salzgitter „null Chance“, sich dagegen zu wehren, sagte Leese.