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Niedersachsen Schäfer’s-Beschäftigte sollen Unternehmer werden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schäfer’s-Beschäftigte sollen Unternehmer werden
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08:36 09.05.2014
Von Lars Ruzic
„Für mich war es der richtige Weg“: Carsten Rohland – hier in seinem Laden in Hannover-Kirchrode – hat sich mit drei Schäfer’s-Filialen selbstständig gemacht.
„Für mich war es der richtige Weg“: Carsten Rohland – hier in seinem Laden in Hannover-Kirchrode – hat sich mit drei Schäfer’s-Filialen selbstständig gemacht. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Das Datum hat er heute noch parat. Der 20. März 2013 bildet einen Wendepunkt im Leben von Carsten Rohland. An diesem Tag wurde aus dem Filialgruppenleiter beim Bäckereikonzern Schäfer’s ein Firmengründer. Drei Backläden in Hannover und Lehrte führt der 44-Jährige seitdem mit dem vollen Risiko des Unternehmers. „Früher wusste man, das Gehalt ist jeden Monat auf dem Konto“, sagt er. „Jetzt bin ich dafür verantwortlich, dass meine 20 Mitarbeiter regelmäßig ihr Geld bekommen.“

Rohland war einer der Ersten, die von einem ungewöhnlichen Angebot Gebrauch machten. Die Edeka Minden-Hannover will sich von den gut 820 Geschäften des größten deutschen Filialbäckers trennen. Das Geschäftsmodell, die Produktion und ein riesiges Filialnetz aus einer Hand zu führen, „war schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig“, umschrieb es Konzernchef Mark Rosenkranz gestern bei der Bilanzvorlage in Minden. Schäfer’s hatte starke Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Die Konkurrenz aus den Aufbackstationen der Discounter und auch der Edeka-eigenen Supermärkte machte dem Unternehmen zunehmend zu schaffen.

So kamen die Edeka-Lenker auf die Idee, ihr bei den eigenen Märkten so erfolgreiches Geschäftsmodell auf die Schäfer’s-Filialen zu übertragen - die sogenannte Privatisierung. Die gut 420 Schäfer’s-Läden in der Vorkassenzone der Supermärkte sollen die Edeka-Genossen übernehmen. Für 400 weitere Geschäfte sucht der Konzern nun innerhalb der Schäfer’s-Belegschaft Interessenten, die sie als Selbstständige übernehmen wollen.

Während die Übertragung der Filialen in den Edeka-Märkten bereits im Sommer abgeschlossen sein soll, gestaltet sich die Abgabe an die Mitarbeiter etwas zäher. Erst für 80 der 400 Läden hat sich eine Lösung gefunden. Bis Ende kommenden Jahres will sich Edeka-Minden-Geschäftsführer Wolfgang Mücher Zeit lassen, um alle Geschäfte abzugeben. Zwar sei die Nachfrage unter den Beschäftigten groß. „Aber mitunter müssen wir auch ein wenig auf die Bremse treten, weil wir die Betreffenden erst einmal richtig kennenlernen wollen.“

Das verwundert nicht, denn das Risiko für die Edeka ist nicht ohne. Da die Interessenten in den seltensten Fällen Eigenkapital beibringen können, finanziert der Konzern den Verkauf der Läden an die Jungunternehmer über Kredite vor. Das Interesse der Mindener ist folglich groß, dass die Gründer nicht gleich in die Insolvenz schlittern. Hinzu kommt, dass die Edeka die Miete für die Läden nicht voll an die neuen Betreiber weitergibt - eine Subventionierung, die sich irgendwann auch einmal auszahlen soll. Und: Schäfer’s ist auf den Erhalt des großen Filialnetzes angewiesen. Wo sollen sonst die großen Produktionsbetriebe ihre Waren hin verkaufen?

Es waren genau diese Hilfen, die Carsten Rohland dazu bewogen haben, den Neustart zu wagen. „Ich wusste: Dahinter steht ein gestandenes Unternehmen, die Filialen sind in gutem Zustand.“ Als Filialgruppenleiter war er vorher für 17 Geschäfte verantwortlich. „Damals habe ich jede Filiale einmal die Woche gesehen - jetzt kann ich jeden Tag in allen drei Läden sein“, erzählt der Lehrter. Da falle viel schneller ins Auge, welche Ware sich verkaufe, welche ordentlich Marge mache und welche nicht. Gut 10 Prozent Umsatzsteigerung kann der Unternehmer im Jahresvergleich vorweisen. „Für mich war es der richtige Weg“, sagt Rohland. Inzwischen trägt er sich schon mit dem Gedanken, einen weiteren Laden zu übernehmen.

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