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Niedersachsen Scharfe Kritik an Conti-Großaktionär
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Scharfe Kritik an Conti-Großaktionär
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13:55 03.05.2010
Von Lars Ruzic
Im Zentrum der Aktionärskritik: Schaeffler-Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg auf der Hauptversammlung.
Im Zentrum der Aktionärskritik: Schaeffler-Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg auf der Hauptversammlung. Quelle: dpa
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„Schaeffler hat erneut unter Beweis gestellt, mit welcher Rücksichtslosigkeit die eigenen Interessen über die von Conti gestellt werden“, sagte der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Frank-Holger Lange, unter dem Applaus der mehr als 1000 Aktionäre im Hannover Congress Centrum.

Seit der letzten Zusammenkunft der Eigentümer vor einem Jahr hatte Schaeffler Vorstands- und Aufsichtsratschef ausgetauscht und lange Zeit eine dringend nötige Kapitalerhöhung in Hannover blockiert, weil man die Verwässerung des eigenen Anteils befürchtete. Eine zentrale Rolle dabei spielte der Schaeffler-Berater und zeitweilige Aufsichtsratschef Koerfer. Er musste später seinen Posten für Linde-Chef Wolfgang Reitzle räumen, blieb aber Präsidiumsmitglied des Gremiums.

Aktionärsvertreter sehen in ihm den fünften Schaeffler-Vertreter im Conti-Aufsichtsrat, obwohl die Investorenvereinbarung den Franken nur vier Posten zugesteht. „Schaeffler plant den Durchmarsch bei Conti – und der erste Schritt war, Koerfer zu installieren“, sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Zuletzt hatte das Landgericht Hannover Koerfers Aufsichtsratswahl für nichtig erklärt, weil auf seine Interessenkonflikte nicht ausreichend hingewiesen worden sei. Er sollte deshalb am Mittwoch erneut gewählt werden, wozu die Aktionärsvertreter ihre Zustimmung verweigerten. Schaeffler hält allerdings direkt und indirekt 75 Prozent der Conti-Anteile.

„Continental wäre ohne die Beherrschung durch die Schaeffler-Familie deutlich schneller und besser durch die Krise gekommen“, meinte Kleinaktionär Christian Strenger, im Nebenberuf Mitglied der Regierungskommission für untadelige Unternehmensführung. An den Kapitalmärkten leide der mit 7,8 Milliarden Euro ohnehin stark verschuldete Konzern unter der Zurechnung der 13 Milliarden Euro, die Schaeffler schultern muss. Derzeit fällt es den Hannoveranern auch deshalb schwer, bei den Bonitätsnoten der Ratingagenturen ausreichend passable Noten zu bekommen. Das belastet zudem die Pläne, eine milliardenschwere Hochzinsanleihe auszugeben. Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann forderte deshalb eher eine weitere Kapitalerhöhung, bevor Conti „so viel Zinsen zahlt wie Athen“.