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Niedersachsen Schlecker schließt 180 Läden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schlecker schließt 180 Läden
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11:12 13.03.2012
Von Lars Ruzic
In Niedersachsen werden mehr als 180 Schlecker-Filialen geschlossen. Quelle: dpa
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Hannover

Aus dem Stadtgebiet zieht sich Schlecker nahezu komplett zurück. Neun von zehn Filialen werden dicht gemacht. Auch andere Großstädte wie Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück sind stark betroffen. Zuletzt arbeiteten in Niedersachsen noch rund 2000 Menschen für Schlecker.

Die Schließungen sind nur eine Frage von Wochen. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will bis zur offiziellen Eröffnung des Verfahrens Anfang April alle Verlustbringer abgestoßen haben. Bundesweit wird Schlecker gut 2400 von zuletzt noch 5400 Läden schließen. Fast 12.000 Beschäftigte sind davon betroffen. Derzeit verhandelt Geiwitz mit der Gewerkschaft ver.di über Sozialpläne und Auffanggesellschaften. Bei der ebenfalls insolventen Tochter Ihr Platz fällt der Kahlschlag etwas moderater aus: Gut jeder vierte der bundesweit 612 Märkte soll schließen, 900 Mitarbeiter müssen gehen.

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Der niedersächsische ver.di-Handelsfachmann Heiner Schilling hofft nun auf die Unterstützung der Landespolitik. "Wir wollen zügig mit der Staatskanzlei ins Gespräch kommen", sagte er. Man müsse ausloten, "ob es nicht Hilfe aus einzelnen Fördertöpfen geben kann". Die Politik dürfe nicht aus der Verantwortung gelassen werden. Bislang hatten die Länder wenig Interesse an Staatshilfe für Schlecker erkennen lassen. Baden-Württemberg, Heimatland des Konzerns, brachte am Freitag ein Darlehen der staatlichen Förderbank KfW ins Gespräch. Dem Vernehmen nach geht es um ein Volumen von 70 bis 75 Millionen Euro, mit dem Geiwitz eine Transfergesellschaft für die Betroffenen finanzieren könnte.

Bei der Suche nach potenziellen Rettern scheint der Insolvenzverwalter in der Branche auf Granit zu beißen. "Wir haben schon Gespräche geführt, sind aber nicht besonders weit gekommen", sagte Drogerieunternehmer Dirk Roßmann dieser Zeitung. Geiwitz wolle eher Komplettpakete verkaufen - etwa die ganze Tochter Ihr Platz. "Ich habe ihm gesagt, dass wir höchstens 80 Läden übernehmen würden, und da sind schon Schlecker- und Ihr-Platz-Filialen zusammengerechnet", so Roßmann.

Der Unternehmer räumte ein, dass die Konkurrenten von der Schlecker-Pleite profitieren. Bei seinem Konzern werde das aber höchstens zwei Prozentpunkte des Wachstums ausmachen. Gleichwohl korrigierte Roßmann seine Ziele für 2012 nach oben: Er rechnet zum 40. Geburtstag des Unternehmens mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro.

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